Gedanken zum Wohnmobil

 

Wer heute z. B. auf einem Camp-Platz in der Bretagne aufschlägt sieht zum weitaus überwiegenden Teil nur noch Wohnmobile. Nicht die Kleinen, sondern 3,5-Tonner und darüber hinaus. Zelte? So gut wie gar nicht. Wohnwagen ja, aber…sehr wenige, Klapp-Caravans sind Exoten. Oft sind es Briten, die – warum auch immer – einen Drang haben betagte VW-Busse aufzupeppeln, was oftmals auch wunderbar gelingt, und zu Campern zu machen. Und natürlich die Original-VW-California. Zumindest ein paar.

 

Ob man nun einen Niesmann+Bischoff schön“ findet ist Geschmacksache. Man muss ihn aber nicht nur bezahlen können, sondern auch den Rest des Jahres „lagern“. Im deutschen City-Verkehr hat so ein Vehikel nicht zu suchen und ist für eine Shoppingtour nicht zu gebrauchen. Ich wüsste bei uns nicht, wo ich in der Innenstadt parken könnte, geschweige dürfte. Dies gilt natürlich für viele WOMOs, wenn auch nicht so extrem wie bei NB. Man braucht also entweder ein passendes Platz-Teil im Garten (incl. Zufahrt) oder sonst eine sichere Unterstellmöglichkeit. Spätestens an der Fahrzeughöhe kapitulieren die meisten Garagen oder Einfahrten.

 

Also befindet man sich im Dilemma Urlaubs- und Alltagsqualitäten so weit wie möglich unter einen „Hut“ zu bringen. Prädestiniert sind da natürlich die T5/T6 von VW und - je nach Geschmack oder Anschauung – die Vitos von DB. Beide sind in der Werksausführung „Wohnmobil“ komplette Mobile. Wer allerdings meint, dass „Klein“ auch „nicht ganz so teuer“ bedeutet irrt gewaltig. Miniaturen sind leider selten preisgünstig. Ein Standard-WOMO der 3-Tonnen-Klasse liegt preislich z. B. durchaus unter den „California“-Preisen. Dieser Einstandspreis relativiert sich durch einen guten Wiederverkaufspreis, vernünftige Pflege vorausgesetzt. In Zeiten von Diesel-Bashing und Unklarheiten über AdBlue-Nachrüstungen für die E5-Motoren halten sich Interessenten für Gebrauchtfahrzeuge sehr zurück. Gute Pflege hin oder her, da fragt Anfang 2018 niemand nach.

 

Schauen wir uns doch einmal so einen „California“ etwas genauer an. Er dient mir bei der Planung eines WOMOs (weiter bin ich z. Z. noch nicht) als Referenz.

Was kann er, was hat er?

 

Er kann in Parkhäuser fahren mit einer Einfahrtshöhe von mind. 2,00m. Auch wenn der Heckträger (leer) oder eine Markise seitlich montiert ist. Californias gibt es bis heute (Stand Sommer 2017) nur in der Kurzversion. Er pass daher von den Ausmaßen genau in eine Parklücke. Er kann überall fahren, typische Einschränkungen für WOMOs betreffen ihn nicht (z. B. Geschwindigkeits- oder Gewichtsprobleme), von grundsätzlichen Übernachtungsverboten mal abgesehen. Und selbst dann ist er als T5/6 bei weitem nicht so auffällig wie so ein weißes Ungetüm mit Alkoven, wenn das Dachbett geschlossen ist.

 

Die inneren Werte sind auch nicht zu verachten. Eine kleine, aber funktionsfähige Küche mit 2-flam. Gaskocher und Spüle, alles unter einer Glasabdeckung. Zur Spüle gehört eine exakt passende Spülschüssel (evtl. interessant bei einem Gebrauchtkauf). Leider hinterlässt diese in der matten Spüle „Kratzer“. Eine „normale“ Spüle wäre da unempfindlicher gewesen. Die Kühltruhe ist jeden Cent wert und kühlt bis zum Gefrierpunkt. Grundsätzlich ist das Kühlergebnis abhängig von der Füllung. Vorteil der Truhe: beim Öffnen fällt nicht sofort die ganz kalte Luft raus, Nachteil: ein Schrank ist übersichtlicher. Auch hier bildet eine Glaspatte die obere Abdeckung und mit der Spülenabdeckung ergibt sich eine ansehnliche Ablagefläche. Apropos „Ablage“: im Heck ist seitlich ein Schrank untergebracht (mit Kleiderstängchen für Sachen auf Bügeln), ein Hängeschrank oberhalb der Heckklappe sowie eine große Schublade unter der Sitzbank. Für zwei Personen sollte es reichen. Unterhalb der Spüle wird das Besteck und anderes Küchengedöns untergebracht. Wir haben zusätzlich ein paar Taschen des VW-Zubehör-Produzenten „Brandrup“ erworben, die so manchen Kleinkram griffbereit halten.

 

Es gibt natürlich eine Wasserver- und Entsorgung. Die benötigten Tanks befinden sich hinter dem Küchenblock an der Seite, sowie unter dem Heckschrank. Dort ist auch die 3kg-Camping-Gaz-Flasche verstaut.  

Das ist wirklich ein Alleinstellungsmerkmal = in der Heckklappe sind 2 Klappstühle und in der Schiebetür der Außentisch untergebracht. Das spart wirklich Stauraum und findet man auch nicht bei DB.  Diese Dinge sollten auf jeden Fall bei einem Gebrauchtkauf dabei sein, sie gehören zur Grundausstattung, ebenso wie der Stromadapter von Standard(Schuko)-Stecker auf CEE.

 

Der California bietet 4 Schlafstellen, jeweils zwei oben und unten. Beide haben Vor- und Nachteile.

 

Oben ist es fast wie im Zelt. Nur in 2 Meter Höhe. Es ist luftig und man kann abends den Sonnenuntergang durchs Fenster bewundern. Bei Wind und Regen kommt der Zeltcharakter etwas deutlicher hervor. Doch auch hier hat die Zubehörbranche ein tolles Ding geschaffen, die „Cali-Cap“, eine „Mütze“, die genau auf/über das aufgestellte Dach passt. Dadurch wird es im Sommer dunkler, es bleibt in der Übergangszeit wärmer und bei Regen bleibt das Wasser von der Zeltwand entfernt.

 

Verdunkelt wird das Ganze durch div. Rollos an den Fenstern (auch an der Frontscheibe!) und Einsätzen an den Türscheiben (auch Grundausstattung).

 

Die Serienmatratze ist allerdings nicht so super und wir haben sie gegen eine Komfortversion ausgetauscht.

 

Der Schlafkomfort unten wird durch die Profilierung der Sitzbank etwas beeinträchtigt. VW bietet inzwischen hier eine passende Unterlage an, die diese Profilierung ausgleichen soll. Wir haben bis auf wenige Ausnahmen (Starkwind oder Gewitter) immer oben geschlafen und eine zusätzliche Matratze nicht vermisst. Unten ist es merklich wärmer und leiser.

 

Gesteuert und überwacht wird das Ganze von einem Bordcomputer, der über dem Rückspiegel angebracht ist. Füllstände der Wassertanks, Funktion und Timer der Heizung (Diesel), Heben und Senken des Dachs, Anzeige ob 12V oder 230V anliegen, Wecker, Temp.-Einstellung des Kühlis usw.

 

Zubehör, werkseitig montiert: Alarm, abn. AHK (mit Alarm geschützt), Lederlenkrad (fühlt sich wirklich besser an), Radiovorbereitung (incl. Boxen u. Antenne), anklapp.Spiegel.

 

Auf getönte Scheiben wollten wir verzichten. Nach dem ersten Testwochenende haben wir uns aber doch dafür entschieden und die Scheiben nachträglich folieren lassen. Wir konnten so eine Tönung wählen, die uns innen noch nicht zu dunkel erschien aber doch den Blick ins Innere wesentlich erschwerte.

 

Wie schon anfangs bemerkt: alles unter einem (kleinen) Dach.  Da muss sich ein anderes, nicht nur selbst ausgebautes, Mobil anstrengen.

 

 

Aber - kein Licht ohne Schatten.

 

Das erste Jahr begleitete und ein immerwährendes Geklapper und Gequietschte. Mehrere Versuche der „Entklapperung“ durch den „Freundlichen“ brachten nicht den gewünschten Erfolg. Als dann auch noch der Dachspoiler vor dem Hubdach die VW-eigene „Blumenkohl“-Krankheit (eine Aufwerfung des Lacks aufgrund Unverträglichkeiten mit dem Untergrund) bekam, war genug Druck im Kessel um die Zentrale in Hannover um Unterstützung zu bitten. Danach klappte das „Entklappern“ merklich und der Blumenkohl verschwand vom Spoiler. Allerdings blühte er ein gutes Jahr später noch einmal auf dem Alu-Dach auf. Da auch das ein inzwischen bekannter Mangel war, klappte der Dachaustausch nun ohne Probleme. Soweit so gut. Bleibt vielleicht noch zu bemerken, dass unser Fahrzeug keinen „Schummelmotor“ hat und nicht von irgendwelchen Rückrufen und damit verbundenen Folgeschäden betroffen ist. Aber „Diesel“ ist ja im Moment sowieso ein ganz besonderes Thema…  

 


Man muss sich im Klaren sein: schläft man „oben“, schläft man im Zelt. Temperaturmäßig, lautstärkemäßen, im Groben auch sicherheitsmäßig. Von feuchten „Zelt“Wänden beim morgendlichen Einklappen mal ganz abgesehen. Ich würde nie auf einer Autobahnraststätte nachts „oben“ schlafen wollen. Vielleicht bin ich da zu sehr ein „Schisser“.
Schläft man unten, muss das ganze Gepäck, welches hinter der Sitzbank verstaut ist, anders untergebracht werden.  Z. B. Auf den Fahrersitzen bzw. im Fußraum davor. Rödel-rödel…
Und, das ist fast das Schlimmste: es gibt keine Frischluftzuführung unten im geschlossenen Zustand, wenn die Fenster zu sind. Und das müssen sie zwangsläufig im Regen/Gewitter sein, denn seit eine Regenrinne bei 99% aller Fahrzeuge wegoptimiert wurde, läuft bei jedem Fenster/Schiebetür das Wasser rein, wenn die Luke geöffnet ist. Dumm gelaufen. Man ist also auf Fremdaccessoires angewiesen. Z.B. auf die Seitenscheibeneinsätze (Rentner-Spoiler), die es ermöglichen ein Seitenfenster zumindest ein paar Zentimeter zu öffnen, ohne dass es rein regnet. Mit dem weniger guten Nebeneffekt, dass sich die Sicht am A-Holm vorbei, der durch die Front-Rollos sowieso schon recht „markant“ ist, noch weiter verschlechtert. Bleibt meines Wissens dann nur noch der „Brandrup Air-Safe“, ein Metallhaken, der die Verschlussöse der Heckklappe etwas nach außen versetzt, sodass bei dann geschlossener Klappe ein Luftspalt bleibt. Nachteil: von innen nicht zu verwenden, von außen eine Fummelei. Da ist man – wenn es denn nötig ist - eher nass, als das der „Umbau“ erledigt ist.

 

Fahrer- und Beifahrersitz sind natürlich drehbar. Nur nicht bei geschlossener Tür, dann passt es nicht. Also Stuhl in Drehposition, Tür auf, Stuhl drehen, gleichzeitig Regen aufs Polster (gibt nette Wasserflecken) und Türe wieder zu.  Geschafft. Für den Beifahrersitz ist das ganz gut, der Fahrersitz hat imo wenig davon, da ein Nutzer nun beintechnisch vor dem Küchenblock hockt. Dafür kommt er jetzt an div. Steckdosen heran, die – zumindest bei meiner Sitzposition – im Fahrbetrieb nicht zu benutzen sind. Entgegen ersten Befürchtungen scheinen die Sitze mit den Kletterattacken zur Erreichung des Hochbettes besser klar zu kommen als gedacht. Sitzfläche, Armlehne und Rückenlehne scheint das tägliche Rauf & Runter (noch) nichts auszumachen. Wohl fühle ich mich dabei aber nicht wirklich. Ist vielleicht auch eine Gewichtsfrage.

Die Auswahl von VW auf „Camping Gaz“ zu setzen ist leider nur bedingt tauglich. „Camping Gaz“ soll angeblich „weltweit“ zu bekommen sein. Das mag für die kleinen Kartuschen für Lötlampen und Kleinstkocher zutreffen, für die im Bus benutzten 3kg-Flaschen trifft es nicht zu. Den ersten Schock bekommt man, wenn VW für die Erstbestückung 92,82 € (Stand 07/2017) aufruft. Im „real,--Shop“ kostet sie „nur“ noch 69,95 €, aber auch das ist für 2,8 kg Gas eine Menge „Holz“. Die Flaschen „normal“ zu kaufen scheint in unserer Gegend nahezu unmöglich zu sein, es sei denn, man geht zur Camping-Apotheke „Berger“. Wir haben unsere „Erstausrüstung“ dann doch im Netz bestellt und zur Abholung mit nach Hannover geschleppt.

Diese Flaschen sind dann Tauschflaschen. Die Füllung (Butan) macht ausschließlich „CampGaz“, dementsprechend müssen die Buddeln auch schön durch die Gegend karriolt werden.
Das alles schlägt sich auf den Preis nieder. Eine Schnellrecherche ergab gerade eine Preisspanne von 30,- bis 40,- € - für den Tausch!  Natürlich sind auch ein paar Exoten dabei, bei denen es „nur“ 25,- € kostet. Ist aber Glücksache, ob man da in der Nähe wohnt. Wie gesagt, alles für 2,8 kg Gas.

 

Da lohnt sich schon fast ein Wochenende nach Frankreich zu fahren, bei „Carrefour“ oder „Leclerc“ gibt es Flaschen zu nahezu annehmbaren Preisen, eine Füllung/Tausch kostete draußen an der Tankstelle 20,- € (06/2017).
 

Neben dem Luftproblem gibt es noch eine weitere schlechte Eigenschaft des Cali: der Blick nach hinten auf den rückwärtigen Verkehr. Allein durch die Einbauten – besonders des Heckhängeschrankes vermindert sich der Durchblick um 50%. Sind dann noch die Kopfstützen hochgeklappt und der Fahrradträger montiert kann man den Blick in den Spiegel vergessen. Nun, es sind ja noch die Seitenspiegel da. Die haben aber die dumme Angewohnheit Fahrzeuge als weiter entfernt anzuzeigen, als sie sind. Umgekehrt wäre es imo passender. Dies hat leider zu ein paar Situationen geführt, bei den nur die Reaktionsfähigkeit Anderer Schlimmeres verhindert hat. Für diese von mir hervorgerufenen Situationen kann ich mich – leider nur an unbekannt – nur entschuldigen. Diese Spiegel haben mit Verkehrssicherheit nichts zu tun.

 

 

Leider – und das ist nun wirklich ein Armutszeugnis – sind nach rund sieben Jahren die Lackschäden am Dach wieder aufgetaut. Wieder blüht der Lack auf dem Windabweiser auf. Wann ist das Dach dran? Entweder wurde vor 5 Jahren nichts ausgetauscht oder nochmals schlampig gearbeitet. Wer trägt diesmal die Kosten? Nichts dazu gelernt?

 

 

(M)ein Fazit? Das ist nicht so leicht. So ein California kann (fast) alles. Aber nix hundertprozentig. Man kann in einem Mobil, welches auf einen Norm-Parkplatz passt, keine Schrankwand und kein Badezimmer erwarten. Wer dies möchte muss sich anderswo umsehen. Allerdings ist Minimalismus mit der Zeit auch nervig. Wir hatten schöne Zeiten mit dem Cali, haben uns allerdings umentschieden. Die erneuten Schäden am Spoiler und vermutlich anderen Dächern bestätigen uns erst einmal von VW Abschied zu nehmen.

 

Demnächst geht´s weiter mit unserem "Wiesenkutter".