Bock auf Gurte

Die REIMO-Sitzbank - eine besondere Geschichte

Die Sitzbank


Über kein anderes Teil der Busausstattung habe ich mir mehr den Kopf zerbrochen. Was es dazu im WWW zu lesen gibt beflügelt nicht unbedingt sich eines Sitzplatzes mit Gurt anzunehmen. Aber gut, wer nicht wagt…
Es beginnt mit der Suche nach der passenden Bank. Passend in Bezug auf die Größe, und natürlich passend zum Budget. Nach oben sind natürlich kaum Grenzen zu sehen. 
So kommt man dann nahezu automatisch auf die Reimo-Bänke mit Gurtbock. Sie lassen zum einen noch Luft zur individuellen Gestaltung der Polster, bieten auf der anderen Seite bereits eine Abnahme des Sitzes in Zusammenarbeit mit den Gurten.

Leider gibt es keine Hilfestellung bei der Befestigung im/am Fahrzeug. 
Die im WWW zu sehenden Bilder von erfolgreich installierten Bänken zeigen unterschiedlichste Verankerungen im Untergrund, sprich unter dem Bodenblech unter Einbeziehung der Querrahmenteile. Mit diesen Bildern und dem festen Vorsatz dies genauso zu machen, habe ich dem TÜV eine Anfrage unterbreitet, die dann auch wohlwollend beurteilt wurde. So kann es gehen, man wird das auch der örtlichen TÜV-Station so mitteilen. Das ist ja mal ein positiver Anfang.

Also dann, Bank in der schmalen Version bestellt, sonst gibt es kaum ein Durchkommen am Küchenblock.

Über diesen Holm hätte eigentlich eine Verstrebung kommen sollen. Aber - auf den Zentimeter genau - steckt hier die Umlenkung der Handbremse.
Über diesen Holm hätte eigentlich eine Verstrebung kommen sollen. Aber - auf den Zentimeter genau - steckt hier die Umlenkung der Handbremse.
Die Träger des Schwellers liegen "natürlich" nicht parallel zu den Holmen unter der Bodenplatte
Die Träger des Schwellers liegen "natürlich" nicht parallel zu den Holmen unter der Bodenplatte

Dann stand die Palette endlich vor der Garage und alle Einzelteile wurden einzeln reingewuchtet. Soweit so gut.

 Der Sitzsockel wurde dann das 1. Mal in den Laderaum des Boxers gehievt und div. Vermessungen vorgenommen und an Boden und Wand markiert. Irgendwann schien klar, so könnte es passen. 
Diese erste Rechnung habe ich dann ohne den Wirt gemacht. Bei der Betrachtung der nötigen Bohrlöcher stellt sich heraus, dass diese nun überhaupt nicht mit den im Untergrund befindlichen Streben und Rahmen harmonieren, schließlich darf ja nicht in Rahmenteile gebohrt werden, und Gewinde, die hinter Verkleidungsteilen stecken (hier innerhalb des Schwellers), können nicht mit Muttern versorgt werden.
Außerdem gilt es, den nötigen erhöhten Boden in die Planung mit einzubeziehen. Echt blöde gelaufen.

Die Bodenerhöhung war dann nicht das ganz große Problem. Ich habe sie dann mit einer massiven Holzbohle vom Dachdecker überbrückt. Wo ein Dachstuhl drauf hält soll wohl auch eine Sitzbank drauf halten. Für den Halt am Fahrzeug ist der Balken nicht zuständig. Ein kleiner Vorteil: die Sitzbank ist nun tiefer und es kann etwas anders beladen werden.

Da, wo der Rahmen liegt, soll mal die Bank hin. Gut zu erkennen, der schräge Sockel am Bodenblech, der noch für viel Mehrarbeit sorgen wird.
Da, wo der Rahmen liegt, soll mal die Bank hin. Gut zu erkennen, der schräge Sockel am Bodenblech, der noch für viel Mehrarbeit sorgen wird.
So muss es irgendwie passen...
So muss es irgendwie passen...
Stellprobe mit erhöhtem Bodenteil
Stellprobe mit erhöhtem Bodenteil

Aber alle Schrauben sind noch immer nicht da, wo ich sie gerne hätte. Und ich werde sie da auch nicht hinbekommen, das steht leider so fest. Die Schraublöcher und -abstände sind für die Sitzkiste in den mitgelieferten Unterlagen explizit vermerkt. Aufgrund des Sockels müssen nun Gewindestangen her. Ein befreundeter Karosseriebauer hat mir dann geholfen, die Bodenfestigungen so zu planen, dass die Halterung des Sitzrahmens mit z. T. vorhandenen Schraublöchern der original Sicherungsösen möglich war. Manchmal muss man auch Glück haben, eine Verschraubung erfolgte „blind“ durch ein vorhandenes Loch im Rahmen (also nix am Rahmen gebohrt) und kam auf den Millimeter genau an der gewünschte Stelle oben in der Bank raus. Puh. 
Somit war die Bank felsenfest verschraubt, die Gurthalterung konnte montiert werden und die Einrichtung im Bankstaukasten konnte beginnen. Die Polsterung hat - wie schon die Matratze - die Polsterkiste in Duisburg übernommen. Herzlichen Dank für die gute Betreuung.

Der Karosseriebauer "in action"
Der Karosseriebauer "in action"
Die neuer Halterung, passend zu vorhandenem Schraubloch
Die neuer Halterung, passend zu vorhandenem Schraubloch
Montage Gurtträger
Montage Gurtträger

Verschraubungstest, im Vordergund die Verschraubung im Seitenholm unter dem Schwellerkasten (ohne Bohrung im Holm!). Auch zu erkennen, dass die Holme unter der Ladefläche versetzt zu den seitlichen Holmen  liegen. Das macht Montagen durch den Boden nicht einfacher.

So sieht das dann fertig aus
So sieht das dann fertig aus
Es füllt sich langsam
Es füllt sich langsam

Unterhalb des Bodenblechs wurden die einzelnen Gewindedurchführungen mit 6mm Metallplatten gesichert. Selbstverständlich wurden selbstsichernde Muttern innen und außen verwendet. Die Maße und Güten wurden in der Bankbeschreibung des Herstellers genannt.

Jetzt fehlen noch die Polster
Jetzt fehlen noch die Polster
...und fertig!
...und fertig!

Die so ausgeführte Bankbefestigung fand ohne weitere Beanstandungen das Wohlwollen des hiesigen TÜV-Prüfers. (Es kann aber überall in der Republik anders sein. Ich übernehme ausdrücklich keine Haftung für die Allgemeingültigkeit meines Einbaus.)

Ich stehe aber weiterhin auf dem Standpunkt, dass es - wenn es schon vom Hersteller des Gurtbocks eine Abnahme des Bocks gibt - es auch eine Abnahme der Fahrzeugbefestigung geben sollte. Die aktuelle Praxis: ich bau da mal was, wie ihr das im Bus befestigt bekommt interessiert mich nicht - kann es wohl nicht sein. Irgendwie muss auch die Befestigung bei der Konstruktion und Abnahme eine Rolle spielen.  Dann würde ja auch auffallen, dass - egal wie man die Bank verschiebt - entweder innen kein Platz bleibt (der Bock also eigentlich nicht passt), oder die Verschraubungsmöglichkeiten ohne individuelle Anpassungen nicht mit der Fahrzeugkonstruktion harmonieren.
Nicht nur an dieser Stelle scheinen sich die Maße der aktuellen Fahrzeuge im Vergleich zu älteren Baujahren geändert zu haben, sodaß einmal passende Konstruktionen nun nicht mehr passen. Zu mindest für das meistbenutzte Fahrzeugmodell (Ducato, Boxer, Jumper) sollten angepasste Teile vorhanden sein.