Darf es etwas mehr sein?

Nimm 3 – zahl 2, ich leg nochmal ne Scheibe Wurst drauf… nur Samstag 20% (außer Tiernahrung). Wir alle mögen das gewisse Extra. Warum sollte da eine Gemeinde anders reagieren.

Vor geraumer Zeit haben wir ein verlängertes Wochenende auf der niederländischen Insel TEXEL verbracht. Mit viel Glück huschten wir soeben noch auf eine abfahrtbereite Fähre, und genauso schnell – ohne uns großartig um plakative Information zu kümmern – von der Fähre wieder runter und ab zum Hotel. Werbung eben… Das war unser erster Fehler, hätten wir uns mehr um diese Informationen gekümmert, hätten wir früher mitbekommen, dass es auf Texel eine etwas andere Parkordnung gibt.
So mussten wir dann erfahren, dass es nur wenige Parkplätze gibt, die nicht einer Parkzone zugeteilt sind. Die Kennzeichnungen waren bisweilen schon eigentümlich und z. T. nicht mehr als eine an den Baum gepinnte Fotokopie - aber ok, die Niederländer sind in manchen Dingen pragmatischer als wir.

Was uns allerdings nicht aufgefallen war, dass auch Parkplätze vor einem Lebensmittelgeschäft außerhalb der Geschäftsstraße gebührenpflichtig waren. Und so parkten wir zum Einkauf beruhigt neben den dort stehenden Winkelwagen und waren überrascht, den Einkauf mit einem Ticket in Höhe von knappen 60,- € bestätigt zu bekommen. Man hätte evtl. mehr Verständnis von unserer Seite erwarten können, wäre es nicht die absolute Vorsaison (Anfang März) gewesen und der mehrere Hundert Fahrzeuge fassende Parkplatz an der Kart-Bahn bis auf drei oder vier vor dem Geschäft parkende Wagen leer gewesen. Dass nun genau in den 8 Minuten, die wir zum Einkauf von ein paar Äpfeln gebraucht haben, der Kontrolleur vorbei kam ist „natürlich“ Zufall.
Gut, unser Fehler, aber was mit dem Ticket machen. Alle Informationen auf Texel gibt es eigentlich auch auf Deutsch, nur die Infos auf dem Ticket nicht. Beim VVV verwies man uns dann ans Gemeindehaus ein paar Straßen weiter. Man glaubt es kaum, ein großer Parkplatz davor und… natürlich gebührenpflichtig. Ich habe unser Knöllchen dann bezahlt und mich gefragt, warum nicht gleich mit dem Verkauf des Fährtickets eine Parkgebühr erhoben wird. Dies würde jeglichen Frust auf der Insel vermeiden und auch noch die Kontrolleure einsparen.
Aber dann ginge dem Kämmerer vermutlich öfters das „gewisse Extra“ durch die Lappen. Und das mögen wir ja nun alle.

Zur Ehrenrettung von Texel muss man sagen, dass sich dieses "Parkgebühren abkassieren" rund ums Jahr bei vielen Gemeinden eingenistet hat. Gab es früher in der Vorsaison noch kostenfreie Plätze, so ist dieser soziale Gedanke inzwischen großflächig unterdrückt worden. In Egmond ist inzwischen nahezu jeder PP – sei er auch noch so weit vom Meer entfernt – abschöpfungswürdig. Scheinbar möchte man in der Nicht- oder Nebensaison keine Gäste mehr besonders animieren dort zu verweilen.

Besonders „intelligent“ zeigte sich die Gemeinde Hoorn am Ijssel-Meer.

Hoorn ist eine kleine geschichtsträchtige Ortschaft in der Nähe von Amsterdam. Als das Ijsselmeer noch offen war und die Kolonien der Ostindien-Kompanie noch kräftige Erträge brachten, fuhren viele Kapitäne aus Hoorn in die Welt und schufen sich am unteren Ende ein „Denkmal“ für die Heimat, das Kap Hoorn.
 Heute sind die Kolonien und die Kompanie Geschichte (sie ist an ihrem eigenen Größenwahn eingegangen) und  die Erträge müssen aus anderen Quellen geschöpft werden. Was bietet sich da besser an als die motorisierten Besucher des Ortes.

Es gab bei unserem Besuch (auch in einem Frühjahr) genug Parkplätze. Die gebührenfreie Zeit beginnt abends um 18:00 und endet morgens um 9:00. Offensichtlich ist man nicht bestrebt Gäste über Tag im Ort zu halten. Selbst wenn man bezahlen möchte (!) war es bei unserem Besuch nicht möglich, denn die Parkschein-Automaten akzeptierten nur niederländische Bankkarten – kein EC, kein Bargeld. Das ist ja mal richtig besucherfreundlich!

Aber es gibt ja nicht nur Tagesgäste, sondern auch Besucher, die ein paar Tage bleiben wollen. Aber auch für diese gibt es kein Erbarmen. Da helfen dann auch die gut gemeinten Begrüßungen „ Haben Sie an Ihr Fahrzeug gedacht?“ am Frühstücksbuffet nichts. Als Touri kann man ohne fremde Hilfe nicht parken.
(Kleiner Tipp am Rande: unter dem „Theater Het Park“ liegt eine Tiefgarage, die kann man mit Bargeld bezahlen. Wer über Nacht dort stehen bleiben möchte (die Garage ist abgeschlossen, bestimmt sicherer als ein Platz vor dem örtlichen CoffeeShop) kann ja mal nachrechnen, ob ein „verlorenes“ Ticket nicht evtl. preiswerter ist…).

 

Ich wünsche Hoorn nix böses, aber Geschichte (evtl. auch die der VOC) wiederholt sich manchmal.