Motorradtransport mit dem Anhänger

Motorräder auf einem Hänger zu transportieren ist ja weit entfernt von einer „artgerechten“ Haltung. Aber manchmal ist es auch nicht zu ändern. Auch das „beste“ Motorrad kann mal schwächeln (oder gar von einem  „Fahrverbotsfluch“ belegt werden). Schieben ist da nicht wirklich die Alternative.  Oder auch beim Familienurlaub möchte man aufs Motorradfahren nicht verzichten müssen.  Ein Hänger muss also her.


Man kann sie leihen oder kaufen, es passen ein, zwei oder manchmal auch mehr Maschinen drauf. Manche sind nur für den 2-Rad-Transport geschaffen, andere eigentlich gar nicht. Motorräder auf einen Hänger zu packen ist schon sehr individuell, manchmal einfach, manchmal abenteuerlich.

Ich möchte hier nicht über unterschiedlichste Anhängerkonzepte philosophieren, dazu ist das Thema zu komplex, die Anforderungen zu unterschiedlich, die eigenen Wünsche und Möglichkeiten zu vielfältig.


Ich kannte vorab die klassischen Motorradhänger mit ihren 2 Schienen und der Rampe. Diese fand ich sehr unvorteilhaft, wg der schmalen/glatten Rampe und viel „Luft“ neben den Ladeschienen. Ein 350kg-Motorrad neben sich dort hoch zu dirigieren ist alles andere als schön und sicher. Allerdings sind sie relativ preiswert. Wenn aber erst einmal eine Beladung „daneben“ gegangen ist, relativiert sich das „preiswert“. Außerdem kann so ein Hänger für nix anderes gebraucht werden. (Eine Abart dieser Hänger sind die „Klapphänger“ für ein Bike. Da ist die eine Schiene so gelagert, dass sie zum Beladen auf dem Boden liegt und dann in die Transporthöhe gepumpt werden muss. Leer kann so ein Ding geklappt an die Garagenwand gelehnt werden. Platzsparend und einfach zu beladen. Aber ein Dickschiff möchte ich so nicht transportieren.



Was sollte ein Hänger für mich können …


Ein „Muss“ war für mich die feste und geschlossene Ladefläche. Das zweite „Muss“ war eine vernünftig breite Rampe, die ein sicheres Nebeneinander von Mensch & Maschine ermöglicht. Besser noch: die eine Auffahrt erlaubt. Mit diesen Vorgaben schränkt sich das Angebot schon merklich ein. Eigentlich bleibt da nur noch ein Absenkhänger übrig, allerdings in der gewünschten Dimension (passend für eine Trophy, K 1600 oder GL 1800) kein „Schnapper“ mehr. Sollte mal was anderes transportiert werden sind zusätzliche Ausgaben für Seitenteile ect. nötig.  Prüfung der Alternativen: normaler Hänger mit individueller Rampe. Auch diese erweist sich als teuer, egal ob als Einzelanfertigung oder aus mehreren Standartteilen zusammengesetzt.  Zudem muss  sie auch zum Transport sicher verstaut werden, also Mehraufwand für Montage und Transport.  Eine komplette Individualanfertigung kam aus Kostengründen nicht in Frage.

Als ich die Hoffnung schon aufgegeben hatte fiel mein Blick auf diesen Hänger. (Gefunden bei Ahrens & Ullmann) Als angebotener Doppelachser war er meinen Recherchen entgangen.  Die Rückfrage ergab, dass er auch als Einachser zu bekommen war. Damit war dann alles klar - und gekauft. Und das Ganze noch zu einem für mich attraktiven Preis.


Was fehlte waren noch zwei weitere Zurrösen und die Motorradwippe an der Frontseite. Dies war aber ohne großen Aufwand zu montieren.


Der erste Versuch einer Beladung erwies sich als nicht ganz so simpel wie gedacht.

Also den Hänger am Bulli angekuppelt, sicher ist sicher. Allerdings streckt sich so das Hinterteil  zusätzlich in die Höhe. Dadurch wird die Rampe noch steiler und die Phase, in der die Füße aufgrund des Steigungswinkels keinen Grund mehr haben, größer. Rauf fahren? Lieber nicht. Also ein Versuch mit „Schieben“. Ohne Motorkraft geht gar nix. 350 kg bekommt man da auch nicht zu Zweit hoch. Also 2. Versuch mit schieben mit Motorkraft. Wenn man sowas noch nicht versucht hat birgt auch dieses Procedere einige unangenehme Erkenntnisse. Das Spiel mit Gas und Kupplung, dabei langsam die Rampe hoch, das Gleichgewicht haltend, mit doch schlüpfrigem Tränenblechuntergrund der das Rad auch schon mal durchdrehen lässt… Das hat ein paar Schweißtropfen gekostet.


Das muss doch auch anders gehen…


Der Knackpunkt ist die Steigung der Rampe. Um diese zu ändern müsste man die Rampe verlängern. Also eine 15cm hohe „Verlängerung“ gezimmert und untergelegt. Dadurch vermindert sich der Auffahrwinkel gleich um ein Drittel und siehe da, mangels Gefühl noch mit durchdrehendem Reifen, aber oben gelandet. Wunderbar.

Seit dem habe ich die Rampe nicht mehr benötigt. Man kann nämlich auch sehr gut den Hänger beladen, wenn er nicht am Haken hängt, dann dreht man das Stützrad hoch und das Hängerheck kommt runter, und schon kann man mit Motorkraft und etwas gezieltem  Schwung bequem rauffahren. So war das doch geplant. Wenn man auf dem Campingplatz noch etwas natürliches Gefälle auf der Wiese hat, wird die Sache noch einfacher. Jeder cm ist da hilfreich.

Allerdings werde ich die Rampe noch etwas „tunen“ und die Tränenblechteile oberhalb der Wangenhöhe gegen Gitterroste tauschen. Dies wird nicht nur den „Gripp“ sondern auch den Luftwiderstandsbeiwert verbessern.

Nun steht das Mopped oben, un nu? 

 

Meine Erfahrungen mit den Standartgurtbändern mit Haken waren nicht die besten. Auf einer nächtlichen Autobahnetappe hatte sich ein Haken ausgeklinkt und schlug nun im Dustern wild um sich. Wie durch ein Wunder ist allerdings nichts Schlimmes passiert. Dass es dazu kam muss ich mir wohl auf die Fahne schreiben, die Vordergabel der RT war wohl nicht weit genug herabgezogen und eine heftige Bodenwelle hat dafür gesorgt, dass die Spannung kurzfristig ganz abgebrochen war. Somit konnte sich der Haken „befreien“.   Das sollte mir nie wieder passieren.

Somit ist mein erstes Credo: keine Zurrgurte mit Haken sondern nur mit Karabiner.  Da kann passieren was will, die fallen nicht aus der Zurröse.


Die zweite prekäre Stelle ist das Festhalten des Vorderrades in der Wippe. Dass dies so fest wie möglich passiert ist mit Voraussetzung für einen sicheren Stand des Motorrades. Es gibt in jedem Motorradforum mindestens ein Kapitel, was sich mit dem Laschen eines Bike beschäftigt. Und eine Gretchenfrage ist immer: wo/wie ziehe ich am besten die Gabel in den Ständer. Bei unverkleideten Maschinen bieten naturgemäß sich mehr Möglichkeiten, bei verkleideten kommt man nur schwer bis gar nicht so richtig ran oder es besteht die Gefahr, dass Verkleidungsteile Schaden nehmen können.

Einfach scheint die Möglichkeit über den Lenker mit besonderen Gurten die Front nach unten zu ziehen. Leider sind Lenker heute auch nicht mehr das, was sie mal waren und ein anschließend verbogener Lenker keine Besonderheit. Lassen wir das also. Bleiben Telelever, Gabelbrücken ect. oder der Lenkkopf. Ich habe mich für diesen entschieden und dazu eine Transportschlaufe besorgt. Diese gibts im einschlägigen (internet)Fachhandel und kosten nicht die Welt. Außerdem sind sie gepolstert, was auch nicht schädlich ist. Diese Endlosschleife wird oben über den Lenkkopf gelegt und zu gleichen Teilen rechts und links an den Gabelholmen vorbei nach unten geführt. Eine ein Meter lange Schlaufe reicht bei mir bis an den Rand der Verkleidung, ab hier kann der Karabiner eingehängt werden. Das Einzige worauf zu achten ist ist, dass keine empfindlichen (Hydraulik)Leitungen gequetscht werden. 

Ist die Front nun kräftig herabgezogen ist das Schlimmste schon geschafft.
Eigentlich könnte man schon losfahren. Auf dem ADAC-Transporter reicht das, mehr wird da nicht gemacht.

Aber wir sind da etwas vorsichtiger und sichern nun nochmal in der Mitte, je nach Möglichkeit. Jetzt reicht es aber wirklich. Es gibt inzwischen Systeme, die halten lediglich das Hinterrad auf dem Boden. Das mag transporttechnisch sicher und ausreichend sein, mich haben aber schon bei meiner Art die Heckbewegungen des Motorrades – bedingt durch die eigene Federung – gestört. Erstens irritiert das Geschaukel im Rückspiegel, zweitens kann so viel schwingende Masse auch nicht vorteilhaft sein. Also wird auch am Heck nochmal abgespannt. Dadurch muss evtl. in der Mitte nochmal nachgezogen werden, dann ist es aber gut und die Reise kann losgehen.

Das Moped steht „bombenfest“…


Inzwischen habe ich verschiedenste Mopeds auf dem Hänger gehabt.

Zwischen einer F650 und einer GL1800 war alles dabei. Einzig die Fragen "wo befestige ich die Gurte am Krad" sind die einzig spannenden, der Hänger an sich zeigte sich allen Ansprüchen gewachsen.