p { margin-bottom: 0.25cm; line-height: 115%; background: transparent } ICH WERF´ MEIN BESTECK WEG.

 

Es ist vollbracht. Ich habe meinen Backofen fertig.

 

 

 

Lange, vielleicht zu lange, habe ich gehadert, Videos aufgesaugt, Anleitungen studiert, Baubeschreibungen inhaliert, Ideen gesammelt, bei Bemerkungen genickt, für gut befunden und notiert oder den Kopf geschüttelt.

 

 

 

Klar, ich lese in einem Forum, ich schaue ein Video-Portal, also gibt es viele , sehr viele Meinungen. Ich habe es ja nicht anders gewollt.

 

 

 

Was hat mir gefallen, was wollte ich? Den klassischen Pizza-Rundofen? Den Lehmbackofen mit StrohIso? Die Blechkiste a la Ramster? Selbst gebaut, individuell gestylt oder doch ein Bausatz? Oder gar elektrisch? Wie groß, tief, breit… Fragen über Fragen, alle berechtigt, auf alles (mehr als) eine Antwort, aber schlicht zu viel. Am Ende fühlte ich mich überinformiert.

 

 

 

Ok, reduziert auf die Einschränkungen „gewolltes Budget“, vorhandener Platz, pers. Geschmack und dem pers. Hang zum Pragmatismus fallen im Ausschlussverfahren der Pompeji-Rundofen und die „unechten“ elektrischen Dinger aus.

 

Im Verhältnis der zu beköstigenden Personenzahl würde 2 Pizzen und 3 – 4 Brote gleichzeitig reichen. Beim Händler mit dem großen „A“ wäre ich beinahe auf Anzeigen mit kaum zu widerstehenden Preisen hereingefallen, zum Glück bemerkte ich noch, dass es sich um Fake-Shops handelte.

 

 

 

 

Und gibt’s ja noch den Sog-Effekt. Man sieht die tollsten Bauten und findet Gefallen an dem einen oder andren Teil. Schwuppdiewupp läuft die Planung wieder Gefahr aus dem Ruder zu laufen. NEIN, ich brauche keinen Riesenofen, ich möchte keine Brote verkaufen (wir haben auch keine Großfamilie) und ich möchte (mir) auch kein Denkmal in den Garten setzen. Gut, dass ich nur einen Ofen und kein ganzes Haus plane.

Und dann bin ich halt beim polnischen SMART gelandet. Also Selbstbau, zumindest so ein wenig, große Teile, kein Filigranbau. Somit kann ich fast alles, was ich über den Bau gelesen habe, nicht vergessen, aber vermutlich nicht brauchen.

 

 

 

Ein Forumsmitglied postet in einem Fred: „… bauen wir heute (...) richtig…“. Nur was ist richtig? Die Beispielfotos vom SMART sehen aus, als wären die Teile mit Silikon zusammengeklebt. Und wofür braucht es bei 7 Teilen (z. b. SMART 3) 10kg Mörtel (vorweg: ich werde es noch erfahren)? Bei einem Gewicht von 35kg für eine Deckenteil müsste eigentlich schon das Eigengewicht reichen, von der Abdichtung mal abgesehen. Also tatsächlich Silikon? Wir leben ja nicht im Erdbebengebiet.

 

 

 

Die Feinplanung würde gerne ein Ascheloch vorsehen, auch die inzwischen für gut befundene Beleuchtung vom Rasta-Griller und eine größere (Tür)Öffnung. Eine Tür mit Rosenbesatz wird es allerdings nicht geben, ist ja ein Backofen und kein Treibhaus. Für den ersten Betrieb soll die zum Paket gehörende „Beistelltür“ reichen, später soll daraus ein verstärktes Hitzeschild werden, welches auf der Ofeninnenseite auch einen Schamotte-Besatz hat. Auch ein Guckloch steht zur Debatte. Ich gehe davon aus, dass dieses Ding in Phase 2 etwas stabiler gebaut werden wird.

 

 

 

 

Das Foto von einem verrutschten Kaminrohr wollte ich zum Anlass nehmen zu testen, ob man dieses „Feature“ nicht kultivieren kann. Tiefer gelegene Abluftkamine gibt es bei vielen Pizzaöfen, der Sinn ist da ja wohl die warme Luft unter der Rundkuppel zu halten, sonst wäre ja dort das Rohr platziert. Warum sollte das bei Tunnelöfen nicht funktionieren? Dieser Gedankengang fand sein Ende, als die polnische Rohrdurchführung in natura da lag: es kann bei diesem Bauteil das Rohr nicht tiefer in die Brennkammer abgelassen werden. Na gut, dann eben nicht.

 

 

 

Abhängig von pers. Vorstellungen (einfach und überschaubar beim Bau) über einen Back/Pizzaofen mal ein paar Worte zum polnischen SMART…

 

SMART auf polnisch...

 

Preis ist günstig, keine Frage. Ein Bauwerk in identischer Größe aus Einzelsteinen wäre preislich heftiger gewesen. Auch die Zubehörmaterialen wie Kamin, Kaminschieber, Hut, Brotkörbe ect. sind imo qualitativ ok nicht zu teuer. Auch der Versand war völlig problemlos. Ihr merkt es schon, es folgt noch ein „aber“.

 

 

 

Das erste „aber“ bestand bei mir in einer unvollständigen Lieferung, die Vorderfront des SMART fehlte. Das habe ich unter dem Wust an Teilen auf der Palette nicht gesehen. Es gab auch beim Hersteller keine Probleme, sorry, das Teil wird nachgeschickt, das wars. Nach einer Woche kam dann ein großer Karton aus Polen, darin das Vorderteil, leider in drei Teilen. Ok, eine weitere Lieferung nach einer weiteren Woche, diesmal alles an einem Stück. Also alles gut.

 

 

Wir bauen uns ein Haus…

 

Zum Glück nicht, dann hätte es schon Bruch gegeben.

 

Ich habe mal so aus Spaß den vorderen Bogen – bzw. die Teile davon - auf das vorhandene Heckteil gelegt. Da passte nach meinem Empfinden nicht viel überein, allein schon die Höhe war unterschiedlich (nicht nur rechts und links), und das nicht in dem Maße, dass man sagen konnte, hier muss noch eine 3 cm Bodenplatte drunter. Die hätte auch nicht gepasst. Was passt da nicht, vorn oder hinten?

 

 

 

Es gibt eine „Bauanleitung“, die aber irgendwie nicht zu den Bauteilen passt. Man muss hier ganz ehrlich sagen, eine Zeichnung, Plan oder/und ein paar Bilder wären echt hilfreich gewesen, auch wenn ich schon div. Bauten errichtet habe.

- Schritt 1: Setzen Sie die fertige linke und rechte Flanke auf die Betonplatte.

 

Soweit so gut, nur welchen Abstand soll man nehmen: Innenmaß oder Außenmaß des Gewölbes?

 

- Schritt 2: Auf die Seitenteile setzen Sie die 3 Gewölbe.

 

Das geht nur bedingt, siehe Pkt. 3

-
Schritt 3: Setzen Sie die fertige Rückwand mit oder ohne Loch nach hinten.

 

Schwierig, wenn das Gewölbe schon montiert ist und man von hinten keinen Zugriff hat.

 

In der Höhe ist ein ca. 3 cm breiter Spalt zu erkennen. Fehlt da noch was?

 

- Schritt 4: Nun stellen Sie die Vorderwand – alles mit Mörtel verkleben.

 

Gleicher Spalt wie bei der Rückwand…

 


Schritt 5: Legen Sie die Schamotteplatten ohne Mörtel in den Brennraum

 

Ok… (Am Rande bemerkt: es ist nicht eine Platte zu viel im Bausatz, eine Verschneiden oder gar ein Bruch sollte tunlichst vermieden werden.) Bei großen 60 cm -Platten geht das nicht.

 

 

 

- darunter sollten Sie den Boden zu den Schamotteplatten abisolieren

 

Also noch mal die Platten raus… JA, aber der Spalt bei Front und Rückwand bleibt.

 

 

 

 

Hier fehlen schlicht 3 cm in der Höhe. Die Katalog-Bilder des SMART 3 zeigen aber einen passgenauen Übergang von Gewölbe und Vorderseite. Nur auf einem Bild ist zu sehen, dass der Bogen auf den Schamottesteinen steht. Dann kommt man der Sache auch näher. Alle anderen Bilder sind an dieser Stelle „beschnitten“. Beim SMART 4 ist dagegen der Spalt deutlich zu erkennen. Mit der genannten 2 – 3 mm dicken Mörtelstärke kommt man jedenfalls nicht weit.
Um es nochmal ganz deutlich zu sagen: die Rückwand und der Frontbogen müssen unterfüttert werden. Die gemessenen Höhen von 23 bzw. 21,5 cm harmonieren in keinem Fall mit den 25 cm der Seitenwand.

 


Aber auch die Breite der Front bzw. Rückwand passt nicht zum gemessenen Seitenabstand, den die Rundbögen vorgeben. Auch hier klaffen cm. Jetzt wird klar, warum man 10 kg Mörtel braucht…

 

 

 

Lt Beschreibung hat der Ofen die Maße

Innenmaße SMART: Breite 60 cm und Tiefe 70 cm
Außenmaße SMART: Breite 82 cm und Tiefe 75 cm

 

 

 

 

Für Vorabplaner hier mal die Dimensionen der Bauteile, wie ich sie gemessen habe (LxHxT):

Wände

 

Seitenteil 75 x 25 x 9
Große Bodenplatte 59 x 29,5 x 3 (eher 2,8) ß(Katalogmaß 60 x 30 x 3)
Rückwand 59 x 23 (bis Beginn Rundung) x 6
Vorderwand 59,3 x 21,5 (bis Beginn Rundung) x 5,5 Höhe Mitte 35

 

Bogen
lichte Weite 79 cm (Katalogmaß 85 cm)
Breite 23,5 cm
Auflage auf Seitenteil 7,7cm
Höhe an Auflage 11cm
Überstand des Bogen links 3,8cm, rechts 4,8 cm

Was will ich damit sagen: Nehmen wir mal nebeneinander die Breiten an
Bodenplatte incl. Dehnungsfuge = 60 cm
2 x Seitenwand a 9 cm = 18 cm
macht zusammen 78 cm in der kompl. Breite zzgl. ein paar mm Zement.

 

 

Genanntes Außenmaß 82 cm. Da braucht man nicht 2 mm Kleber sondern 2 cm. Oder anders herum: wer das Außenmaß für den Beginn seines Baus nimmt (wie ich), hat bald ein „Problem“.
Auch mit drei Gewölben a 23,5 cm Breite kann man die 75cm Seitenlänge nicht abdecken, da bleibt die Front- oder Heckplatte nahezu frei.

Nahezu alle Kanten haben noch Spuren des Gießprozesses die abgeflext werden müssen. Besonders bei den Aufstellflächen sorgen sie sonst für einen fulminanten Schiefstand. Bei den Gewölbebogen schauen die Steine seitlich heraus. Die Kaminöffnung ist alles andere als rund und mit dem Rohreinsatz wird die Fuge breit. Bei Licht betrachtet sieht man, dass in der Mitte des Bogens nur halbe Steine verbaut sind.

 

 

 

Ich bin alles andere als ein Materialprüfer, aber die Bruchstellen der Front“platte“ sehen für mich aus wie ganz normaler Standardbeton aus der Tüte. Ebenso die Bogenteile. Er lässt sich auch vollkommen easy bohren, nahezu mit dem Schraubendreher. Aber was weiß ich schon…

 

 

 

Selbst die Aufstelltüre ist „windschief“.

 

 

Tipp:
Wenn man die großen Bodenplatten mit bestellt hat, sollte man dieses (Maß 59) cm für die Breite nehmen, plus einen Zentimeter als Dehnungsfuge. Um diesen Boden baut man dann den Ofen. Dann wird man nachher feststellen, dass die Gewölbebögen seitlich über die Seitenwände hinausstehen. Das lässt sich nachher mit den Iso-Materialien noch kaschieren. Macht man es anders herum…
Sagen wir´s mal so, rein gießtechnisch müßte das nicht sein.

 

 

 

Bin zu pingelig? Wenn man das Ding „an Pragmatiker“ verkauft, dann ist es ok. Wenn es an „Tüpflischisser“ geht und die Beschreibung sagt, alles fertig in 2 Stunden, dann ist leise Kritik angesagt.

 

 

 

Einen Planungsfehler muss ich zugeben, der Kamin. Die tatsächliche Höhe des Gewölbes mit aufgepflanztem Kamin passt nicht so ganz an die vorhergesehene Baustelle. Es ist nicht ganz das, was mir mein Gefühl über Brandschutz vermittelt, da – zumindest mit dem bestellten Rohrstück und „Mütze“ - die Überdachung nahezu erreicht wird.
Als erstes muss erst einmal ein Funkenflugstopp in den Hut, was aber nicht so schwer ist.
Die Frage ist: durchs Dach oder dran vorbei…. Oder machen wir die Decke „feuerfest“? Oder lassen wir die Kaminverlängerung weg? Mal ausprobieren.

 

 

 

 

 

Apropos Einbrennen…. Wenn ich alles, was ich über´s Einbrennen gelesen habe, in einen geistigen Topf werfe kommt dabei heraus:
- Mörtel trocknet seeeehr langsam ab.
- Risse entstehen zwischen den Steinen.
- Risse sieht man gerne in den Verkleidungs- bzw. Dekorationsarbeiten
- Rissen beugt man mit langsamen Trocknen vor (was nicht bedeutet, dass es später keine mehr geben kann).
- Risse sind Risse, keine Erdspalten.

 

 

 

 

So, fertigmachen zum Anheizen.
Im Vergleich zu komplett selbstvermauerten Öfen mit Einzelsteinen hat das Modell SMART wenig Fugen, also auch wenig Möglichkeiten, dass Feuchtigkeit ihre explosive Kraft austoben kann. Das sollte der Beton locker aushalten.
Also beginne ich nach einer Woche mal mit einem Teelicht und steigere mich kontinuierlich.

 


Dabei habe ich mich – so gut es geht – an die Hersteller-Info gehalten. 50° - nur wo? Im Gewölbe, am Boden, am Kamin…? Irgendwo ist es immer 50°…

 

Nach rund 10 Tagen wird das erste Mal Kampftemperatur erreicht.
Bevor die ersten Fladen in den Ofen geschoben wurden habe ich elektronisch die Temps gemessen. Und zwar an

 

Innen (Rückwand)
Boden
Decke
Metallstück

 

 

 

Aussen
Gewölbe oben
Seitenwand

 

Türabschluss
Boden
Kamin oberhalb Schieber Gewölbe

 

alternativ: analoges Stabthermometer innen

 

 

Wie ist das mit dem Hitzeverlust?

 

 

 

Bei einer Außentemperatur von

 

 

 

Innen Rückwand Metallstück Boden Decke Kamin

 

Beginn Messung
30 Min

 

60
90
120
150
180

 

Alle Werte wurden bei nicht isoliertem Gewölbe gemessen.

 

 

 

PS: Die gebackenen Teigwaren habe uns gut geschmeckt, Rezept folgt.

 

 

 

Bei noch heißem Ofen würden xxx Risse festgestellt.

 

 

 

Nach dem Abkühlen wurden die Seitenflächen und das Heck mit Gasbeton isoliert. Auf das Gewölbe wurden 4 cm dicke Glasschaumstreifen geklebt. Darauf noch einmal Keramikwolle. Damit das Ganze so halbwegs in das restliche Kitchen-Szenario passt, wurde das Ganze mit einer Metallplatte eingepackt. Nun haben wir eine zweite Dampflok im Garten. Vielleicht sollte ich das Ding einfach „Emma“ nennen. Aus optischen Gesichtspunkten wurde die Front mit Ziegeln aufgehübscht.

 

 

 

Zeit, nochmals die Temps zu messen.

 

 

 

Innen (Rückwand)
Boden
Decke
Metallstück

 

 

 

Aussen Gewölbe oben
Seitenwand

 

Türabschluss
Boden
Kamin oberhalb Schieber Gewölbe

 

Analoges Stabthermometer innen

 

 

 

Bei einer Außentemperatur von

 

 

 

Innen Rückwand Metallstück Boden Decke

 

Beginn Messung
30 Min

 

60
90
120
150
180

 

 

 

Alle Werte wurden bei jetzt isoliertem Gewölbe gemessen (in Klammern die alten Werte).

 

 

 

Was wurde geändert, erweitert, gepimpt…

 

 

 

- Der Kaminhut wurde mit einem Funkenstopp ausgestattet. Dies ist ein quasi „Flusensieb“ im Kaminhut.

 

- Der Serien-Türersatz wurde ausgetauscht und hat nun statt 1 mm Wandstärke 4 mm. Damit verbunden wurde auch ein Sichtfenster eingesetzt und die restlichen Freiflächen mit Schamotte gedämmt.

 

- Eine Ofenbeleuchtung a´la „Grappaschlucker“ wurde installiert, damit man auch was sehen kann.
- Das Ascheloch hätte einen cm breiter sein können, funktioniert aber ansonsten wie gewollt.

 

 

 

 

 

Was gab´s jetzt zu naschen?

 

 

 

Belegte Fladen, für Pizza waren sie nicht rund genug, für Pide zu groß…
Ist auch egal, Hauptsache es schmeckt.