Technik der Türme

Aus den "ABC der Seeschifffahrt"...

Leuchttürme sind Seezeichen in Form eines weithin sichtbaren Turms, der mit einem Leuchtfeuer ausgerüstet ist. Bei Tage sind sie oft durch einen auffälligen Farbanstrich deutlich zu erkennen.

Leuchtfeuer ist ein Sammelbegriff für die Lichtquellen, die als Orientierungshilfen bei Nacht dienen.
Dabei werden festgegründete Feuer auf Leuchttürmen, Baken und Dalben und schwimmende Seezeichen wie Feuerschiffe und Leuchttonnen unterschieden. Identifiziert werden Leuchtfeuer aufgrund ihrer Kennung. Bei der Fahrwasserbefeuerung unterscheidet man noch Leitfeuer, Richtfeuer, Quermarkenfeuer, Torfeuer, Uferfeuer usw..

Das Leuchtfeuerverzeichnis  ist ein mehrteiliges Werk, das vom Deutschen Hydrografischen Institut herausgebracht wird. Es enthält alle Leuchtfeuer eines Küstengebietes mit Angaben von Position, Kennung, Lichtstärke, Sichtweite und Feuerhöhe.

Die Kennung ist der "Steckbrief" eines Leuchtfeuers. Sie gibt den Blitz, die Gruppe und die Wiederkehr an. Folgende Kennungen werden unterschieden: Funkelfeuer, Blitzfeuer, Blinkfeuer, Gleichtaktfeuer, unterbrochene Feuer sowie Festfeuer.

Ausschnitt Seekarte
Ausschnitt Seekarte

Nebenstehende Karte zeigt die Wesereinfahrt mit dem Turm "Alte Weser". Deutlich zu erkennen ist das Zusammenspiel von Leuchtturm und -bojen zur Kennzeichnung des Fahrwassers. Beginnend mit der Schlüsseltonne "Iso 8s" (weißes Licht) kann, durch die seitlichen  Begrenzungsbojen "Q.G. A1" (steuerbord) und "Q.R. A2" (backbord), das weiße Segment von "Alte Weser" angepeilt werden. Das Leuchtfeuer "Tegeler Plate" übernimmt dann in SW. Gleichzeitig wird von dort auch das Fahrwasser "Neue Weser" bedient.


Feuerschiffe

Feuerschiffe sind schwimmende Leuchttürme, dort eingesetzt, wo ein Massivbau nicht möglich ist oder sich nicht lohnt, weil die Gegebenheiten sich zu schnell ändern.

Ein Leuchtturm auf festem Grund mag für die Wärter schwierig sein. Nicht umsonst klassifzieren sie die Türme zwischen "Paradies" und "Hölle". Aber man hat wenigsten festen Boden unter den Füßen (bis auf wenige Ausnahmen). Auf Feuerschiffen fehlt auch dieser. Das mag in einer lauschigen Sommernacht nicht stören, ganz im Gegenteil. Bei Sturm auf einem "festgebundenem" Boot zu sein ist kein Vergnügen mehr. Durch mehrere Anker mehr oder weniger "gefangen" konnte man sich nicht großartig eine "gute" Position zum Wind suchen.
Im Stockholmer Hafen und Douarnenez (F) oder auch in Lübeck liegen Feuerschiffe zur Besichigung.


Leuchtturmwärter


In Zeiten von Radar und GPS vermag man sich als Landratte kaum vorzustellen, welch ein wahrhaftiges Glücksgefühl einen Seemann überkam, wenn er in stürmischer Nacht "seinen" Leuchtturm am Horizont erkannte. Sicherlich waren dann noch nicht alle Gefahren vorbei, aber man wusste sich in heimatlichen Gewässern, den schützenden Hafen voraus.

Doch wer sorgte für das Leuchten im Turm, für das Feuer über dem Meer. Was waren das für Menschen, die oft in der Abgeschiedenheit von Sträflingsinseln ihren Dienst verrichteten.

Je nach technischem Entwicklungsstand waren ihre Aufgaben natürlich unterschiedlich.
Im Altertum wurde das Leuchtfeuer durch permanentes Nachlegen von Holz, später auch von Kohle erhalten. Erst der Einsatz von Gas, Öl und Elektrizität brachten in dieser Hinsicht etwas Erleichterung.  Die Pflege der Hohlspiegel und später der Fresnel-Linsen, die Wartung der Stromgeneratoren bei Türmen, die nicht ans Stromnetz angeschlossen waren und die Wartung der Türme selbst brauchten umfassende handwerkliche Kenntnisse. Daneben war die Beobachtung der Gezeiten und des Wetters Aufgabe der Wärter. Die entsprechenden Daten wurden zuerst per Morsezeichen, später per Funk weitergegeben. Der Leuchtturm Roter Sand war zusätzlich z. B. noch Telegrafen- und Schiffsmeldestation.

Eine besondere Aufgabe war die Betätigung der zentnerschweren und äußerst kostspieligen Fresnellinsen. Diese ruhten auf einem präzis gearbeiteten Lager, so daß für die Rotation verhältnismäßig wenig Kraft nötig war. Vor Einsatz von elektrischen Motoren wurden diese von einem Uhrwerk angetrieben, welches zum Teil alle vier Stunden aufgezogen werden musste. Ein Räderwerk setzte dabei die Zugkraft eines Gewichtes im Turmschaft in eine Drehbewegung für den Prismenkorb um.

Zu den körperlichen Anstrengungen kamen die Belastungen, welche sich aus der Einsamkeit ergaben. Nicht nur an stürmischen Tagen war das Zusammensein mit seinem Kollegen aufgrund der räumlichen Enge oftmals eine Herausforderung.

Die Geschichte eines Bildes

gefunden im WWW

Das Department auf dem äußersten Zipfel der Bretagne heißt Finistere - von "finis terrae" - hier ist das Land zu Ende. Danach kommen noch einige Inseln, die letzte heißt Ile de Quessant. Und ihr im Westen vorgelagert eine Felsklippe "la Vielle Jument" zu Deutsch: Alte Stute.

Die See ist oft stürmisch im Herbst. Auch am 21.12.1989. Das richtige Wetter für Jean Guichard um seine Fotos zu machen. Im Hubschrauber nähert er sich dem Leuchtturm und schießt aus nächster Nähe seine Fotos. Das Meer überspült die Klippen vollständig. Ein Mann im Anorak, eine Hand in der Tasche vergraben, öffnet die Türe. Die Welle, die sich von hinten nähert, kann er nicht sehen. Erst als ihm die Gischt die Sicht nimmt, flüchtet er in den Turm zurück.

"Ich war neugierig und wollte nachschauen, als ich den Lärm des Hubschraubers hörte". erzählt Théodore Malgorn. "Wäre ich nur einen Augenblick länger geblieben, die Wogen hätten mich mitgerissen". Wäre Guichard nicht im Hubschrauber herangeflogen, wäre Malgorn nicht vor die Tür getreten, und es wäre für ihn wohl ein gewöhnlicher Sturm geblieben, ein vielleicht etwas stärkerer Sturm, aber einer, den man aus dem Fenster betrachtet. So aber wurde es der Sturm seines Lebens, der Sturm, bei dem er dem Tod von der Schippe sprang.

Inzwischen wird auch dieser Turm ohne Wärter betrieben.