Fahrzeugkauf im Internet

...oder wie ein Hersteller Frust erzeugt.

 

März 2018
So. Ich habe es gewagt, den Fahrzeugkauf im Web. Gründe gibt es einige. Zunächst sind meine Erfahrungen mit den ortsansässigen Dealern nicht so, dass ich bereit wäre aus Sympathiegründen einen nicht unerheblichen Preisvorteil übersehen zu wollen. Und außer Sympathie hätte es keinen Grund gegeben, ich hatte bei keinem Besuch oder Telefonat den Eindruck, dass jemand einen Privatkäufer im Gewerbebereich haben wollte. Das krasseste Beispiel war eine Verkaufsverweigerung. Die machen nur Arbeit mit ihren Extrawünschen. Oder was da auch immer die Gründe waren. Schwamm drüber.

 

Wie geht das denn nun?

 

Zunächst muss man sich einen „Fahrzeuganbieter“ aussuchen. Meine Wahl fiel auf „meinAuto.de“, ohne besondere Vorabrecherche. Pers. Bekanntheitsgrad hat da wohl den größten Ausschlag gegeben. Vermutlich hat jeder „sein“ Wunschfahrzeug schon lange ausgesucht, wer wirklich noch ganz unbedarft an die Auswahl geht, kann sich beim Anbieter mit vielen Parametern Richtung Fahrzeug führen lassen.

 

Wer weiß was er will, hat es leichter. Aber nicht unbedingt leicht. Es braucht etwas Vorbereitung. Die Konfigurationsseiten der sind nicht immer schlüssig, schon die Fahrzeugauswahl bei einem Ducato oder Boxer ist verwirrend, da unterschiedliche Größen, Höhen, Gewichtsklassen und Motoren nur durch eine Nummer unterschieden werden können. Die Darstellung dieser Liste ist leider bei keinem Portal gelungen. Und die Sortierungen sind von Hersteller zu Hersteller aber auch von Portal zu Portal unterschiedlich. Da kann man sich schon mal vertun und hat dann fix ein paar PS mehr. Oder einige Zentimeter in der Länge weniger.

 

Am besten wühlt man sich vorab durch die Konfigurationen auf den Herstellerseiten. Sofern sie vorhanden sind bzw. funktionieren. Das ist leider online auch nicht immer gegeben. Hat man seine Konfig einmal zusammen, und festgestellt, dass nicht alles zusammen geht was man gerne möchte, und warum es eigentlich nicht geht, kann man sich an eine Konfiguration bei einem Online-Anbieter wagen. Dort sind leider nicht immer alle Kombinationsabhängigkeiten erklärt. Da muss man evtl. auch schon mal einen Schritt zurück und es z. B. mit einer anderen Ausbau-Version versuchen. „meinAuto“ bietet auch eine Online-Hilfe an, ich habe sie aber nicht gebraucht.

 

Am Ende der Konfiguration steht der Endpreis des Fahrzeugs/Kaufs fest. Der ist im Allgemeinen deutlich besser als der Listenpreis. Ich weiß nicht wie das nun bei PKWs ist, bei Kastenwagen waren die Unterschiede schon sehr deutlich. Und das Schöne, da kommt erst einmal nix mehr hinzu (Zulassung, Papiere, Kennzeichen, Überführung, und was immer sich ein Autohaus so alles ausdenkt). 

Hinter dem Online-Portal verbirgt sich ein Vermittler, mehr nicht. Der Vermittler bestätigt den Vermittlungsauftrag. Wem er den Auftrag gibt bleibt bis dahin geheim. Nun aber meldet sich der Verkäufer, in meinem Fall eine Leasing-Firma in Bayern. Von dort bekomme ich einen Kaufvertrag und div. Unterlagen. Zurück geht ein unterschriebener Kaufvertrag sowie eine Legitimation (Kopie des Persos) und der Widerspruchsverzicht. Dieser muss nicht unterschrieben werden, aber dadurch verzögert sich die Bestellung um zwei Wochen. Sie würde dann erst nach Ablauf der Widerspruchsfrist angestoßen.

 

Das alles funzt  online, somit fix, wenn man sich sofort darum kümmern kann. Am Ende gibt es noch eine Bestätigung, dass die Bestellung erfolgt ist und eine unverbindliche Angabe der Lieferzeit.  Ein Kawa mit speziellen Ausstattungen und nicht weißer Farbe hat niemand auf Lager, es ist also ein Individualbau und dauert entsprechend lange. In meinem Fall rund 18 Wochen.

 

Pünktlich (!) kam dann die Info, dass das Fahrzeug bei einem Peugeot-Händler in Köln angekommen ist. Jetzt fehlt noch die Bezahlung des Fahrzeugs, eine Versicherungsbestätigung und die Vollmacht zur Abbuchung der Kfz-Steuer. Und schon kommen die Nummernschilder, Papiere und die Abgasplakette per Bote und nach Freigabe des Fahrzeugs kann dies jetzt bei PSA abgeholt werden.

Warum wird das Fahrzeug von der Leasingfirma zugelassen? Ganz einfach, sie sind 185 Tage Eigentümer. Danach wird das Auto auf mich zugelassen. Dass dies lediglich dazu dient, dass nur so der (nicht unerhebliche) Rabatt gewährt werden kann, geht aus einem beiliegenden Schriftstück hervor und sollte somit bei einem zukünftigen Verkauf den Eintrag im „Brief“ erklären. Ich werde also die nächsten 6 Monate erst mal mit einem bayrischen Kennzeichen durch NRW düsen.

 

Man kann also sagen, dass der Kauf an sich ohne Probleme gelaufen ist. 
Das ist in meinem Fall aber nur die halbe Miete...

 

Qualitätskontrollen bei PSA

 

August 2018

 

Mir sagte mal jemand: mit Franzosen klarkommen bedeutet: du musst leben wie ein Franzose, du musst denken wie ein Franzose. Ansonsten wirst du nie glücklich.  Was das bedeutet sollte ich noch erfahren. Aber ich wollte doch nur ein Auto...

 

In der Praxis erweist sich das Fahrzeug, welches ich bei PSA abholen will, als nicht so konfiguriert wie bestellt. Der Einbau des Beifahrereinzelsitzes wurde schlichtweg nicht gemacht. Damit ist der Wagen für mich nicht brauchbar. Zwar ist in allen Papieren der Einzelsitz aufgeführt, defacto ist er nicht drin. Hier haben gleich drei Leute/Instanzen gepennt: derjenige, der den Auftrag dem Produktionssystem übergeben hat, die Qualitätskontrolle nach Produktion und die Übergabekontrolle beim Händler. Als ehemaliger QS-Mitarbeiter schüttelt es mich da. Natürlich können Fehler passieren, spannend ist immer, wie damit umgegangen wird. Aber gleich an drei Stellen geschlunzt?

 

Die Herren von PSA zeigen sich offiziell zerknirscht, haben aber spontan keine Idee, wie die Situation zu retten ist. Die Leasingfirma habe ich unterrichtet. Da sie mein Geschäftspartner ist, sind Ansprüche an sie zu richten. Im Moment könnten sich diese auf doppelte Anfahrtskosten, Kosten für Steuer und Versicherung für ein Fahrzeug, welches ich nicht habe, nicht zuletzt auf Zinsen für das Kapital, welches bereits als Kaufsumme überwiesen ist, belaufen.  Was am Ende dabei herauskommt dürfte von der Dauer der Verzögerung abhängig sein. Wenn es wirklich ganz schief läuft ist ein Neubau nötig.

 

Der Sitzaustausch

 

Dass alles nicht mehr so ist wie vor 28 Jahren ist kein Geheimnis. Da war der Austausch von Einzelsitz und Sitzbank eine Sache von 10 Min.. Die Gurtmimik war für beide Sitze identisch und irgendwelche elektronischen Anzeigen über den Gebrauch der Gurte oder zu regelnde Straffer gab es nicht.

Heute wird alles von div. Systemen überwacht, was den Austausch wohl verkompliziert.

 

Nach einer Woche kommt die Mitteilung von PSA, dass sie den Umbau durchführen können. Offensichtlich haben sie ein Fahrzeug gefunden, mit dem die entsprechenden Komponenten ausgetauscht werden können. Gibt es keine Ersatzteile? Da bin ich jetzt auf jeden Fall gespannt. Der neue Übergabetermin ist für den kommenden Freitag festgelegt. Wir sind dann bei einer Verzögerung von 14 Tagen, was noch im Rahmen des Verträglichen wäre.

Allerdings steht in den „alten“ Papieren noch die falsche Sitzanzahl von „3“ drin. Dies muss vor Abholung geändert sein. Ich werde die Umschreibung des Briefeintrags nicht durchführen. Allein die Kosten für TÜV und StVA belaufen sich auf ca. 70,- €, von den Stunden des Wartens im Amt ganz abgesehen. Da wäre dann jede Menge „Schmerzensgeld“ fällig. Wie das innerhalb von 4 Tagen passieren soll ist mir schleierhaft, die Unterlagen liegen bei mir, nicht beim Händler. Rückfragen ergeben eine wenig vertrauenserweckende Antwort: „wir warten auf Informationen aus der Homologationsabteilung, wir melden uns.“ Mit diesen Vorgaben sehe ich den kommenden Auslieferungstermin als stark gefährdet. Auf französisch bedeutet das wohl Laissez-faire. Aber warum sollte der Händler auch „Blutdruck“ haben... Das Fahrzeug bekommt er schon verkauft.

 

Kein Sitzbanktausch möglich!

 

So, der worst-case ist eingetroffen, bei PSA möchte man für den Austausch der Sitze und Steuereinheiten nicht die Verantwortung übernehmen. Es ist anzunehmen, dass die letzten 10 Tage nicht viel passiert ist. Erst bauen und dann die Technik fragen wäre wohl eher ungeschickt in der Reihenfolge.

 

Ein Sitzaustausch funktioniert also nicht!

Das Fahrzeug muss komplett neu bestellt werden. Dies wird vermutlich auch div. andere Selbstausbauer interessieren, die einen Kastenwagen mit falschem Gestühl ins Auge gefasst haben oder schon besitzen. Als Grund wird die Steuerungsmimik bei einem Austausch von Airbags und Gurten (Gurtstraffern) angegeben. Abänderungen dort werden nicht verantwortet.

 

 

Ein Alternativangebot von PSA liegt inzwischen auch schriftlich vor. Dabei wird ein Rabatt auf den Kaufpreis sowie ein "Schmerzensgeld" in Form eines Bezingutscheins sowie die Übernahme aller bisherigen Kosten (Steuer, Versicherung ect.) angeboten. 

  

Neubestellung bedeutet eine Lieferzeit erneut von 18 Monaten, damit sind wir dann mindestens im Januar 2019. Da z.Z. die Camping-Messe in Düsseldorf ins Haus steht, dürfte es dort auch wieder zu vermehrten Aufträgen kommen und die Lieferzeit ggf. noch weiter nach hinten drücken. In der Weihnachtswoche wird auch in Frankreich oder Italien, oder wo das Ding auch immer gebaut wird, alles nur mit angezogener Handbremse laufen.  

Das hat zur Folge, dass div. Tätigkeiten, z. B. so elementare Dinge wie das Verkleben von Fenstern und Dachöffnungen, nicht  durchgeführt werden können, da mit Temperaturen von unter 10° im Januar und Februar zu rechnen ist. Somit sind weitere Verzögerungen vorprogrammiert.

Wenn man kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu.

 

Nach div. Gesprächen mit der Gf der Leasing-Firma (die sich wiederherum mit PSA kurzgeschlossen hat) sehe ich von weiteren Schadenersatzforderungen ab, da diese nur über gerichtliche Klagen zu adressieren wären. Wie und wann dieses Verfahren ausgehen würde stünde in den Sternen, eine kürzere Produktionszeit gäbe es dadurch  auch nicht. Ob und wie weit die gemachte weitere Preissenkung die Gewinnmarge des Händlers senkt kann ich nicht beurteilen. Also mal wieder die Geschichte vom Spatz in der Hand. Wenn man den Aussagen Glauben schenken möchte, bleibt der Händler auf diesen Kosten sitzen, die PSA-Zentrale scheint sich daran nicht zu beteiligen. Kann man glauben, muss man aber nicht. Wer hat´s verbockt?

 

Als Letztes bleibt jetzt die Rücküberweisung des gezahlten Kaufpreises, die Abmeldung des Fahrzeugs und Eintreibung der bisherig entstandenen Kosten für die Luftnummer. Die Rücküberweisung erfolgte relativ zeitnah nach Anfrage, Angaben zu Angaben des Fahrzeugverbleibs zwischen PSA und der Leasing-Firma wurden zwar angedroht, sind aber nie zu mir vorgedrungen. Offensichtlich ist mein Kommunikationskontingent mit der Leasing-Firma aufgebraucht und man möchte nichts mehr sagen/schreiben. Nach 2 Monaten habe ich das Fahrzeug nun abgemeldet. Mein Geld muss nicht umsonst und unnötig auf anderen Konten liegen. Die Kosten kommen auf die Abschlussrechnung.

 

Es ist schon erstaunlich, welche Folgen ein nicht gemachtes Häkchen haben kann. Und der „Schuldige“ weiß vermutlich von Nichts.
Lieber Unbekannter, herzlichen Dank dafür!

 

Es kann nur besser werden.

Je souhaite bien du plaisir !

 

 

 

Will be continued...  aber erst im Januar.

So, das neue Jahr ist inzwischen 1 Monat alt.
Was ist geschehen?
Nach Ablauf der rd. 18 Wochen angesagter Lieferzeit habe ich mir erlaubt am 15.01. bei PSA nach einem Liefertermin zu fragen. Das sollte ja eigentlich keine Schwierigkeit sein, so nah am Ziel. Andere Hersteller bieten einen Online-Zugang um den Weg des Neufahrzeugs vom Produktionsbeginn bis hin zur Anlieferung beim Händler aktuell verfolgen zu können. Bei PSA - dem zweitgrößten (?) Hersteller in Europa - gibt es sowas nicht.

So brachte eine Info am kommenden Tage die "frohe Kunde", dass inzwischen "schon" eine Fahrgestellnummer vergeben wurde und es - wenn nichts dazwischen kommt (!) - in zwei Wochen zur Abholung kommen kann.

Was bedeutet die Vergabe der Fahrzeugnummer? Das Fahrzeug befindet sich jetzt am Anfang des Produktionsprozesses, mehr noch nicht. Wie lange dauert dieser? Man muss wissen, dass die Boxer baugleich mit Ducato und Jumper sind und alle in einem Werk in Süditalien gefertigt werden. Lt. Herstellerinfo sind das 1.000 Stück am Tag. In der Theorie dauert das pro Fahrzeug 30 Std.. Welche Arbeiten sich konkret hinter dieser Zeitangabe verbergen (also auch evtl. firmenspezifischer Individualitäten) ist mir nicht bekannt. Es liegt also durchaus in Bereich des Möglichen, dass ein Fahrzeug nach zwei Wochen beim Händler stehen könnte.

Vor der Abholung wird der Bus aber wieder von GL-Leasing zugelassen. Daher wurde der Brief am 28.01. zur Anmeldung an GL-Leasing versandt, danach versiegt wieder jeglicher Informationsfluss, trotz Nachfrage und Übersendung der eVN. Nach 5 Tagen die Info: der Brief ist noch nicht da. Da kann ich mir jetzt meinen Teil denken.

(Nur noch mal zu Erinnerung: die ursprüngliche Bestellung war im März 2018.)

 

Februar 2019

WOW

 

Nach 321 Tagen habe ich endlich das Fahrzeug abholen können. Wie müssen sich ehedem die Besteller eines Trabbi gefühlt haben, die Jahre auf ihre Rennpappe gewartet haben. Nach mehreren Prüfungen konnte ich wirklich sagen: alles dran, alles drin. Warum nicht gleich so...

 

Jetzt kann endlich das Abenteuer Wiesenkutter beginnen. Ihr werdet dabei sein, hier auf der Seite.