Auf Luft gebettet

Luftfedern im Heck

Warum Luftfedern

Mit der Installation des Heckträgers wurde klar, dass es ohne eine zusätzliche Abstützung des Hecks nur suboptimal „gehen“ wird. Mit ein wenig Schwung aus der Garage führt erst einmal zu einer Grundberührung der Trägerstützen. Da eine zusätzliche Luftfederung sowieso geplant war, wird sie nun vorgezogen.

Das Prinzip der Luftfedern ist bei allen Anbietern gleich, die Standard-Bedienausführung variiert in Nuancen. Dies könnte dann eine Beleuchtung der Manometer oder eine digitale Ventilsteuerung sein. Muss jeder entscheiden, ob der sowas (bezahlen) möchte.

Wenn es um Auflastungen der Ladekapazität geht ist evtl. abzuwägen, ob 6’’ oder 8’’ Luftbälge verbaut werden sollen. Diese beiden Maße sind mehr oder weniger der Angebotsstandard, welches Modell sinnvoll bzw. nötig ist kann auf den Herstellerseiten nachgeschaut werden.   Da ich (z. Z.) nicht auflasten möchte, wäre es egal, ich habe mit dann für die Zusatzluftfedern der Fa. Goldschmitt entschieden, die haben das Mittelmaß von rd. 7’’. Eine Erhöhung der Heckachsentraglast um 250kg ist mit den Luftfedern auch ohne Auflastungsänderung möglich, wäre aber eintragungspflichtig. Als Zubehör habe ich die Bedienungseinheit für das Fahrerhaus mit geordert. Ohne dies macht die Luftfederung keinen Sinn.

Man kann Vieles an und in ein Fahrzeug schrauben ohne das der TÜV seinen Segen geben muss, bei den Gummidingern ist es nicht so - trotz aller Gutachten -, den Einbau muss der „Verein“ abhaken. Wenn es lediglich um die Kontrolle des Einbaus geht reicht anschliessend die Einbaubescheinigung, wird an den Kilos was geändert bzw. verschoben muss dann auch ein Eintrag in den Papieren erfolgen.

Bestellt habe die Federn bei der Fa. Fahrzeugtechnik24, für deren Service ich mich hier nochmals herzlich bedanken möchte.

Bauteile des Einbausatzes
Bauteile des Einbausatzes
Auch für den elktr. Anschluss ist alles dabei
Auch für den elktr. Anschluss ist alles dabei

Bestellt / bekommen…

Im gelieferten Paket befanden sich also die beiden Gummibälge, eine elektr. Luftpumpe/Kompressor (12V), Druckschläuche, div. Druckleitungsfittings, eine Bodenhalterung für den Kompressor, die Teile für die Bedieneinheit und div. Kleinteile. Das war alles komplett. Zu meiner Verwirrung liegen einer Lieferung auch vier Gutachten bei, da muss/kann der TÜV sich eines aussuchen. Eine Einbaubeschreibung gibt es nicht, die schematische Einbauzeichnung hilft leider nur wenig.

Los geht´s…

Wo das Bedienteil hinkommt ist eindeutig, wo die Luftfedern hinkommen auch, der Weg dazwischen…
 Nach Recherchen im WWW werden für die Pumpe folgende Einbauorte genannt:


  • unter dem Fahrzeugboden zwischen Motor und Tank
  • unter dem Beifahrer- oder Fahrersitz
  • 
im Zwischenboden
 - hinter der Eintrittsmulde (Fahrerseite)


Im Ausschlussverfahren wurden die Stellen unter den Sitzen abgewählt, da der Platz dort schon vergeben ist (Box mit Wagenheber ect., Wanne für Verbandskasten, AHK u. Ä.). 
Ebenfalls „gestorben“ waren die Plätze „Zwischenboden“ (da hätte ich anders planen/bauen müssen) und unterm Unterboden. Entweder hätte man dort ein weiteres Einbauzubehör benötigt oder selber bauen müssen, nicht zuletzt scheint der Kompressor nicht wasserfest zu sein (Kippschalter, wofür eigentlich?).

Blieb der Platz hinter der Eintrittsmulde.

Ob da genug Platz ist?
Ob da genug Platz ist?
Das wird knapp, sehr knapp!
Das wird knapp, sehr knapp!

Die Mulde



Zunächst müssen erst einmal die Kunststoffteile Mulde, Verkleidung über dem Radkasten und u. U. Verkleidung am Fuß B-Säule entfernt werden. Ist das alles weg fragt man sich, wo kommen die schönen Einbaubildchen her, die man doch vorhin noch gesehen hat. Wo ist der Leerraum, der den Kompressor beherbergen soll? Das müssen wohl andere Jahrgänge gewesen sein. Hier passt doch kein Kompressor hin, wäre der Standort auch noch so toll (kurzer Weg zur Batterie, kurzer Weg zum Armaturenbrett). Evtl. ganz nah an der Wand? Könnte hinkommen…

Na gut, versuchen wir es mal.

So wie sich der Kompressor darstellt, passt er überhaupt nicht zum Einbau. Zuerst muss mal der Griff/Überrollbügel weg. Eigentlich sind auch die schwarzen Füße im Weg, nur absägen geht auch nicht. Also umdrehen, dann liegt aber der Anschluss für die Druckluftschläuche falsch. In den Fittings ist ein Y-Verteiler für den direkten Anschluss an den Kompressor vorgesehen (mit entsprechendem Gewinde), da dieser Anschluss aber rechtwinkelig von der Pumpe abgeht steht dieses Bauteil Richtung Blechwand, also im Weg, ohne dass schon ein Schlauch angeschossen wäre; so geht es also nicht.

Durch „Zufall“ passt aber eine Winkelverschraubung für den Anschluss des Druckschlauches am Gummibalg ins Gewinde. Somit kann die Schlauchverlegung halbwegs parallel zum Pumpengehäuse erfolgen. Eine Rückfrage bei der Fa. Goldschmitt brachte leider keine erhoffte Klärung, die Schilderung des Problems und deren Lösung fielen allerdings bei der Fa. Fahrzeugtechnik24 auf fruchtbaren Boden, so dass sie mir einen weitern Winkel und einen dazu weiteren Y-Verteiler zukommen ließen.

Leider waren die Radien der relativ starren Druckleitungen zu groß, um den seitlichen Abgang zu nutzen. Es blieb als nun die Totaloperation der Pumpe, den (sowieso überflüssigen) Manometer der Pumpe entfernen um dort den Abgang der Schläuche anzubringen. Die Gewinde sind zum Glück alle passend. Dazu muss zwar der „Zylinderkopf“ einmal abgenommen werden, aber das ist problemlos möglich. Der seitliche Abgang muss mit einer Schraube verschlossen werden. Somit war der Kompressor in dem „Zustand“, wie er für diesen Einbauort passend war.

Ein Wort zu den Leitungen: es braucht kein besonderes Werkzeug, um diese zu kürzen, ein scharfes (Teppich)Messer reicht vollkommen aus. Beim Schnitt ist das A und O, dass die Leitung nicht zusammengequetscht wird, also KEINE Zange/Seitenschneider o. Ä. benutzen. Außerdem soll der Schnitt möglichst rechtwinklig sein. Beim Einführen in die Fittings ist darauf zu achten, dass die Leitungen  bis zum Anschlag eingeschoben werden. Da - zumindest bei meiner Lieferung - beide Leitungen in „Blau“ daherkommen, empfiehlt es sich vom ersten Y-Verteiler an, rechts und links kenntlich zu machen, damit am Ende nicht noch die Seiten vertauscht werden.

Nötig war nun noch eine entsprechende Halterung, die beigelegten Spangen waren nicht zur verwenden. Mit einem robusten Stück Alu geht fast alles, wie man auf dem Foto sieht. Wie die Leitungsführung nun möglich war, ist auf den Bilder gut zu erkennen, lediglich die Leitungen zu Hinterachse fehlen noch.

Mit den Schläuchen aus dem Innenraum nach Außen zu gelangen war dann doch nicht so trivial wie zunächst gedacht. Die hinter der Verkleidung vorhandene Gummikappe führte leider nicht an die frische Luft sondern in einen weiteren Hohlraum. Also habe ich den Umweg über Batteriekasten genommen, dort gibt es bei der Bat-Halterung einige Nischen, durch die ein Schlauch nach außen passt. Von dort aus geht es dann seitlich Richtung Heck, schön am Schalldämpfer und Auspuff vorbei.


So geht´s schon mal nicht
So geht´s schon mal nicht
Viel zu breit, auch ohne Schläuche
Viel zu breit, auch ohne Schläuche
Schon besser, aber noch nicht gut
Schon besser, aber noch nicht gut
Die Halterung
Die Halterung
Kopf-OP
Kopf-OP
Fertig montiert und angeschlossen
Fertig montiert und angeschlossen

Das Bedienteil

Dem Set liegen zwei Möglichkeiten der Armaturenbefestigung bei. Das für den Ducato bzw. vergleichbare Modelle passende ist leicht zu erkennen. So vorab mal in die Nische gehalten, sollte es ohne große Um- bzw. Abbaumaßnahmen funktionieren. Also erst einmal die Armaturen eingebaut. Das passt alles ohne weitere Aktivitäten, also Daumen hoch.

Bei der rückwärtigen Ansicht kommt man schnell darauf, dass ein kleines Loch hinten in der Nische nicht reicht, um 4 Druckluftschläuche und 3 Elektrokabel geschmeidig zuzuführen. Da muss schon etwas Größeres her. Also doch dieses Armaturenteil ausbauen. Doch leichter gesagt, als getan. Die zu sehenden bzw. zu fühlenden Schrauben entfernt, lockert sich zwar ein Teil der Einheit, an das wirklich zu bearbeitende Teil komme ich noch nicht heran. Also den alten Lötkolben ausgepackt. Damit dann in die Rückwand der Nische ein großes Loch geschnitten/geschmolzen und gut. Man kann auch ein paar mal mit dem Lochbohrer agieren, da ich aber nicht wußte, was sich hinter der Rückwand befand, habe ich es eben so probiert.

Was dann doch noch „in die Hose“ ging, war der elektr. Anschluss des Kippschalters, man sollte es kaum glauben.
Von anderen Schaltern kannte ich, dass für die Funktionsleuchte eine separaten Masse-Kontakt benötigt wird. Da ich am Schalter keinerlei Anschlusshinweise gefunden hatte interpretierte ich, dass der mittlere Kontakt dieser Masse-Anschluss sei und die beiden äusseren Kontakte eben den Plus-Leitung durchschaltete.

Dem war nicht so und hat erst einmal eine Sicherung gekostet. Man hätte es mal vorab probieren sollen.

Der Schalter funktioniert vom Mittenkontakt zu den Außenkontakten, mal ist das Licht an bei Betrieb, mal ist das Licht an, wenn die Pumpe aus ist. Es ist jetzt Geschmacksache, ob permanent das Schalterlicht leuchten muss. Mir wäre es in der Nacht zu hell gewesen. Tagsüber braucht man es doch nicht. Also die Flachstecker fix umgesteckt. Ein Außenkontakt zeigt sich wenig hilfsbereit und beim etwas heftigerem Zug hat sich der Schalter in seine Einzelteile zerlegt. Blöd. Der Einbau eines Schalters aus eigenem Bestand hat dann alles geregelt, zwar ohne Licht, aber soweit ok.

Hier wäre ein kurzes Wort in der an sich schon spärlichen Beschreibung hilfreich gewesen. Apropos Beschreibung: diese liefert leider nun gar keine Hilfestellung bei der Platzwahl des Kompressors, ganz besonders bei dem Modell, welches bei mir geliefert wurde. Ersichtlich wurde auch, dass das ganze Set nicht aus einer Hand (wie eigentlich zu erwarten von Goldschmitt) kommt. Von Goldschmitt stammen erkennbar nur die Gummibälge und die Druckleitungen, mehr nicht.
So scheint es den Anbietern überlassen ist, welche Bauteile sie dem Set beifügen. Bis auf den Kompressor gab es auch keine Probleme, alle Artikel waren - soweit ich das beurteilen kann - ok. Fahrzeugtechnik24 teilte mit (Feb. 2020), dass die kommende Generation der Kompressoren die bemängelten Punkte nicht mehr aufweisen. Damit wäre dann ein preislich und hardwaremäßig attraktives Luftfeder-Set auf dem Markt.

Einbau der „Federn“

Vielleicht bin ich zu ungeschickt oder nicht mehr beweglich genug, unter dem Fahrzeug liegend und dann noch über Kopf arbeiten, da kann ich keine richtige Kraft entwickeln. Ich habe daher den Einbau der Federn einer Werkstatt überlassen. Da schon alles vorbereitet ist, hält sich der Aufwand im Rahmen. Nach einer guten Stunde was dann auch alles erledigt.

Was wurde gemacht?
 Klar, aufbocken bis die die Blattfeder frei hängt.
 Die U-Bügel, die die Zentrierplatte auf der Feder halten, entfernen.
Zentrierplatte entnehmen. Die ist nur nötig, um bei extremem Federweg den Gummipuffer am Abrutschen zu hindern. Aber den Puffer entfernen wir ja gerade.
Der Gummipuffer ist oben im Fahrzeugholm eingeschraubt und kann herausgedreht werden. Liegt kein entsprechendes Werkzeug dafür vor, kann an einer der Kerben im oberen Abschlussblech auch mit einem Meissel und einem gezielten Schlag in Öffnungsrichtung darauf, die Verschraubung gelöst werden. Sie kann dann per Hand herausgedreht werden.
Den Luftbalg kann man nun etwas zusammendrücken und einschrauben. Oben die Unterlegscheibe und unten die Winkelverschraubung nicht vergessen. Ggf. muss die Auflagefläche auf der Feder etwas nachjustiert werden, dazu kann die untere Halterung etwas gelöst werden (zwei Muttern auf Gewindestiften).
Passt das alles U-Bügel wieder anbringen und mit 130nm (!) die Muttern anziehen. Spätestens hier ist eigentlich bei Rückenlage und Standardwagenheber Schluss!
 Noch einmal die alle anderen Mutter nachziehen, auch wenn nicht geöffnet…
und fertig.

Druckluftschlauch auf Länge bringen, in Winkelverschraubung einführen und - nachdem das Fahrzeug wieder festen Boden unter den Pneus hat - dem Kompressor starten.

Wunderbar, der Druck steigt… aber nur bis zu 1. Was ist das?
Beim Abschalten des Kompressors merke ich schon, dass am Paneel ein gewisser Luftzug herrscht, und zwar im Bereich der Ventile. Mist, alles wieder abbauen? Habe ich eine Dichtung übersehen?

Nein, zum Glück war es dann einfach, ein Griff des Meisters brachte ans Tageslicht, dass die Druckstifte zum Ablassen der Luft zu lang sind. Dreht man die Stifte mit der entsprechenden Halterung fest auf das Ventil (was ja eigentlich so sein soll), wird bereits das Ventil minimal geöffnet und der Druck geht dahin. Im „Trockenzustand“ beim Test ohne Druckaufbau fällt sowas ja nicht auf.

Fehlerbehebung: entweder Stift abfeilen oder die Halterung nicht ganz fest aufschrauben und mit Kleber fixieren oder mit Kontermutter auf Ventilgewinde sichern.

Was folgt ist nun noch die Einbaukontrolle des TÜVs.
Auch die ist auf technischer Seite problemlos, lediglich die richtige Unterlage aus dem Wust von Gutachten zu finden hat etwas gedauert. Da ich keine Auflastung möchte, braucht der Einbau jetzt auch nicht beim StVA eingetragen werden, das Mitführen der Änderungsabnahme reicht.

Gibt es schon erste „Gefühle“?
Ich bin nicht Vettel oder Schuhmacher und kann es nicht besser beschreiben: das Fahrzeug liegt „satter“ auf der Straße, besonders in Kurven. Das ist aber nur der erste Eindruck nach ein paar Kilometern. Vermutlich sind es geringere Wankbewegungen, die das Gefühl erzeugen. Ich werde mal mit unterschiedlichen Luftdrücken testen, ob es da gravierende Unterschiede gibt.

Der Weg zu den Armaturen
Der Weg zu den Armaturen
Bedienteil von vorne
Bedienteil von vorne
Bedienfeld von hinten
Bedienfeld von hinten
Mit anderem Schalter eingebaut
Mit anderem Schalter eingebaut
Lösen der U-Halter
Lösen der U-Halter
Abschrauben der alten Puffer
Abschrauben der alten Puffer
Einschrauben der Gummibälge
Einschrauben der Gummibälge
Festschrauben der U-Halterungen
Festschrauben der U-Halterungen