Ile de Ouessant

Wer einen Besuch der Ile de Ouessant plant, muss früh aufstehen. Die erste Fähre ging um 8:40 Uhr ab, in der Nacht hatte es kräftig geregnet. Wie würde die Überfahrt werden, würde der Wetterbericht ("sehr unbeständig") stimmen?

Die Ile de Ouessant liegt in Höhe von Point St. Mathieu westlich im Atlantik. Für Tagestouristen bieten sich zwei Fähranbieter an, auch eine Flugverbindung (1 x täglich) ab Brest ist vorhanden. Wir haben uns für einen Bootstransfer ab Le Conquet entschieden, er bietet mehr  Möglichkeiten bezüglich der Abfahrtszeiten und dauert mit den 3000 PS starken „Schnellbooten“ auch nur eine gute halbe Stunde. Es gibt auch eine Verbindung mit dem "Postboot". Die dauert über eine Stunde und kostet nahezu das Gleiche. Man kann sich also entscheiden: mehr Bootfahren oder schneller auf Ouessant sein.

Landschaftlich teilt sich die Insel grob in zwei Hälften, die obere Hälfte beginnt im Osten mit einer Steilküste und geht dann in eine Felsenküste - vergleichbar der Coté Rose Granit – über. Der untere Teil (südlich der Hauptstadt Lampaul) ähnelt den geschwungenen Hügeln Irlands und bietet eine eindrucksvolle Alternative zum raueren Norden. Hier gibt es auch einige Badebuchten.

 

Das Hauptfortbewegungsmittel für Touristen auf Ouessant ist das Fahrrad. Unzählige Räder warten bei div. Vermietern auf die Kundschaft. Taxifahrten in Kleinbussen vom Hafen zu allen Stellen der Inseln sind ebenso möglich, Hotels bieten eigene Transferdienste. Wir sind mit dem Taxi bis zur Hauptstadt Lampaul gefahren (7 Personen = 10,- – 12,- €, Stand 2004) und haben uns dann auf den Fußweg um den oberen westlichen Zipfel der Insel gemacht. Bei einem weiteren Besuch haben wir die Insel per Pedes erkundet. Abseits der Straßen möglich, aber "nicht ohne".

Impressionen
Impressionen

Im Uhrzeigersinn (gesehen ab  Port du Stiff) liegen die Leuchttürme Phare de Kéréon, Phare de La Jument, Phare de Nividic, Phare du Créac´h und Phare zu Stiff um die Insel verteilt. Als besondere Highlight gibt es ein Leuchtturmmuseum am Phare du Créac´h.

Auf unserem geplanten Weg können wir also 3 Türme plus Museum sehen bzw. auch besuchen. Mehr als dieses Stück der Insel sind mit 3 Kindern (das jüngste ist 4 Jahre alt) nicht zu schaffen. Der Weg führt durch Heidekraut, Farn- und Brombeerhecken und auf Wiesen zum Nordufer. Hier sehen wir direkt in der ersten Bucht Seerobben im Wasser. Die Buchten sind eingefasst durch Felsentürme aus Granit. Im Anfang sind diese Formationen noch rundlich, je weiter man Richtung Westen vordringt, werden sie rauer, kantiger, schroffer. In weiten Kurven führt der Weg am Ufer entlang. Immer wieder unterbrechen Kletterpartien die Wanderung, der aufkommende Wind sorgt für entsprechende Brandung, die sich an den Klippen bricht.

Phare du Créac´h
Phare du Créac´h

Der Leuchtturm [ Phare de Créac´h ] kommt so nur langsam näher. Aber endlich ist es doch geschafft, wir stehen vor den leider verschlossenen Toren der den Turm umgebenden Gebäuden. „Kein Zutritt – Besichtigung nicht möglich“ teilt uns ein Hinweis mit. Schade, es hätte sich bestimmt ein toller Ausblick auf die Landspitze Pern ergeben. So besuchen wir nun das Leuchtturmmuseum auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite, eingerahmt von zwei Bojen.

Erklärungen zu Leuchtweiten von Türmen, Seenotrettung in der Historie und eine ca. 30-minütige Multimedia-Show führen in den Hauptsaal des Museums. Hier bietet sich dem Auge des Besuchers ein funkelndes Potpourrie der unterschiedlichsten Linsen-Systeme. Überall funkelt und blitzt es.

Aber auch vor dem Museum überrascht die Insel mit einer Unterwasser-Glocke und ein wenig später  mit einem durch Pferdekraft betriebenen Nebelhorn. Beide Gebäude sind allerdings nur noch als Ruine vorhanden.

Wir nähern uns nun der westlichsten Spitze der Halbinsel Pern und der Wind ist nun sehr stark geworden. Am Horizont kommt eine dunkle Wolkenwand auf uns zu, viele Wellen haben inzwischen Schaumkronen. Mit etwas zweifelhaften Gefühlen genießen wir den Wind, bei dem Wellengang die Rückfahrt anzutreten scheint im Moment nicht so angenehm. Wie wir später erfahren, wurde an diesem Tag ein Campingplatz am Golf du Morbihan von einem Tornado zerstört.

Mitten in der Gischt steht der [ Phare de Nividic ] , etwas versetzt dazu zwei weitere merkwürdige Türme. Diese Türme waren die Träger einer Seilbahn (Sessellift), auf dem die Leuchtturmwärter zu früheren Zeiten zum Turm gebracht wurden. Bei schönem Sommerwetter wohl sehr schön, in heftigen Winterstürmen nur schwer nachzuvollziehen.

Heute ist der Turm mit einer aufgesetzten Hubschrauberlandeplattform ausgerüstet.

 

Wir kehren nun der Landspitze den Rücken zu und laufen auf dem Küstenweg zurück Richtung Lampaul. Es beginnt zu regnen und die Tropfen knallen pickig vor die Regenjacken und ins Gesicht. Doch der Wind lässt nach und bald hört es auch auf zu regnen. Wir genießen den Rückweg mit Blick auf den Phare de La Jument und die Halbinsel Porz Doun.

Mit dem letzten Schiff verlassen wir die Insel. Gerne wären wir noch länger geblieben, aber es gibt ja auch noch ein nächstes Jahr.

Bemerkungen zur Reiseplanung:

Wer nur einen Tag auf der Insel verbringen kann, sollte diesen auch komplett ausnutzen, also die erste und letzte Fähre buchen. Die Buchung sollte - gerade in den Ferienzeiten - rechtzeitig erfolgen.
Auf der Insel selber gibt es div. Bars/Restaurants und auch Lebensmittelgeschäfte (SPAR) und auch Bäcker und Metzger sind vorhanden.

Aber auch hier gilt die französische Tagesplanung, dass Restaurants oder Bars ihr Angebot an Speisen erst ab 19:00 Uhr offerieren. Dies ist denkbar ungünstig, da die letzte Fähre (je nach Reederei) kurz vor oder nach 19:00 Uhr abfährt. Zwischen 15:00 und 19:00 ist Selbstversorgung zwingend nötig!

Da am Hafen von Le Conquet nur sehr begrenzte Parkmöglichkeiten sind, gibt es einen Parkplatz am Ortsrand mit einem Zubringerdienst zum Hafen.