6-Pack

So, ich habe mich durchgerungen, eine K 1600 GT ist die Neue im Stall. Sie steht da schon ein paar Tage länger, aber bevor man sich outet sollte man ja auch was zu vermelden haben.

 

So ein 6-Zylinder fordert am Anfang doch schon etwas Ehrfurcht ein. Nach einer Trophy muss man sich zwar nicht vor den Ausmaßen fürchten, die sind gefühlt dort und auch bei einer R12er größer. Die „K“ scheint im Vergleich dazu ein schmales Reh zu sein. Es ist der Schub in Verbindung mit dem Sound, der das Gefühl von Kraft & Tempo erzeugt, (Ob das Tempo wirklich dem Sound entspricht steht dabei auf einem anderen Blatt.) das beherrscht werden muss bzw. möchte. Ein kleiner Ausrutscher an der Gashand kann zum falschen Zeitpunkt ungeahnte (und teure) Folgen haben. Nicht umsonst gibt es den Fahrmodus „Rain“…

 

Zunächst einmal die positiven Empfindungen: in weiten Teilen kann man fast geräuschlos Schalten und der alte Lastwechsel-„Klong“ ist zum kleinen „Klack“ mutiert. Runterschalten, besonders im warmen/heißen Zustand wird allerdings noch immer akustisch deutlich untermalt.

Die ersten Ausflüge gingen über die Straßen des Harz, in vollem Ornat mit allen Koffern, TC und Sozia. Leere Straßen und Schub ohne Ende sorgten für entspanntes Fahren, weit ab von der Erreichung des maximal Erlaubten, cruisen war angesagt. Auch die Sozia entspannte sich auf ihrem Thron wie vorher noch auf keiner anderen Maschine. Insofern ist der Wechsel ein voller Erfolg.

 

Die schmale Silhouette ist nicht nur eine optische Täuschung. An vielen Stellen ist der Fahrtwind deutlich mehr zu spüren als auf der Trophy. An den Beinen helfen die seitlichen wundersamen Flaps, die Sommer auch zur Frischluftzuführung genutzt werden können. Von vorn hilft wohl nur eine andere Scheibe. Ja, ich weiß, das Ding heißt Motorrad und nicht Auto. Doch wer seinen Untersatz nicht nur zum reinen Vergnügen bei Schönwetter nutzt hat evtl. ein paar abweichende Präferenzen. Die Luft allein wäre nicht schlimm, Feuchtigkeit stört mich pers. mehr. Und nasse Schultern sind nicht unbedingt der Bringer, wenn es auch anders geht.

Ja, und dann ist da noch der Sitz. Sieht prächtig aus, wenn man mit der Hand draufklopft fühlt er sich auch prächtig an. Und ein, zwei Stündchen kann ich da auch gut drauf sitzen. Aber dann fängt es an zu zwicken. Unter den Sitzhöckern und an den Stellen, wo die Oberschenkel anliegen. Plötzlich scheint der Sitz nur noch hauchdünn gepolstert, Durchblutungsstörungen sind die Folge. Hier muss über Winter kräftig nachgearbeitet werden.

 

Die Bedienung der ganzen Funktionen und Einstellungen muss man sich mal in Ruhe angesehen haben, danach ist das eigentlich kein Problem mehr. Wer schon mal ein Motorrad mit vergleichbaren Features hatte ist etwas im Vorteil, es wird sich vielfach nur der Ordner im Menü geändert haben. Ob es jetzt ein Vorteil ist die Sitz- und Griffheizung elektronisch zu aktivieren oder schlicht per Schalter lasse ich mal offen. Auch über die Integration von Radio und Navi kann man unterschiedlicher Meinung sein. (Dazu mehr unter dem Link "Unterhaltung") Die Steuerung per „Wheel“ ist eingängig und die Bedienung des Blinkers kann imo auch von Personen mit normalgroßen Händen bewältigt werden. Da sollte es keine Schwierigkeiten geben. Eine dezente Hintergrundbeleuchtung der Schaltereinheiten wäre schlicht ein Knaller gewesen. Scheinbar geht man bei BMW davon aus, dass Motorrad nur in den hellen Tageszeiten gefahren wird. Dann hätte man sich aber auch das Kurvenlicht sparen können. Eine manuelle gewichtsabhängige Leuchtweitenregulierung gibt es nicht mehr - ist jetzt alles automatisch. Das Wechseln einer Scheinwerferbirne ist aber immer noch ein Graus.

 

Etwas überrascht war ich, als ich die Sitzbank abnehmen wollte. Entfernt man die Fahrersitzmulde findet man dort – wo sie auch hingehört – die Batterie. Und ein „Werkzeugset“, das man sich aufgrund seiner Üppigkeit (ein Schraubendreher) auch gleich hätte sparen können. Stattdessen wäre ein Fach für ein Verbandspäckchen oder Warnweste sinnvoller gewesen. Das bekommt man nämlich nicht mehr unter. Der Soziussitz ist fest verschraubt, an einen möglichen Platz im Heck kommt man also gar nicht heran. Ok, darunter liegt unter einem großen Kühlkörper die Unterhaltungselektronik und auch die Verkabelung des TCs. Ob dies aber eine Festverbindung des Sitzes nötig macht wage ich mal zu bezweifeln.

 

Ins TC passt natürlich so einiges, und mit Müh und Not auch zwei BMW Helme. Dann ist aber Schluss mit Lustig. Und vermutlich gingen die BMW-Planer auch davon aus, dass die Kundschaft per se mit TC fährt. Eine spontane Abnahme des TCs ist dank der beschriebenen Sitzbankverschraubung und der archaischen Elektrifizierung nicht möglich. Hier muss man mal die Konkurrenz loben, Triumph hat das bei seinen neuen Modellen mit der Kontaktleiste am Kofferträger besser gelöst. Und damit ist dann auch schon ein nettes Zubrot für BMW generiert, denn das TC hat sofort – wenn keine Koffer montiert sind – trotz Sturzbügel sofort Bodenkontakt. Und dann wird es teuer. Es sind so gut wie immer beide Kofferschalen (oben und unten) betroffen. Die obere Schale lässt sich lackieren, die untere Weichplastikwanne ist nicht lackiert. Da wir ja Innen- und Außenwanne haben sollte es kein Problem sein, das Unterteil zu wechseln.

 

Habe ich jedenfalls gedacht, aber Pustekuchen. Stand 10/2014 möchte BMW für die Oberschale (nur das lackierte Teil ohne Innenleben) 406,- € haben, die Unterschale gibt es nur komplett und nicht ohne Innenleben und soll 500,- € kosten. Ups, das kostet dann mehr, als ein komplettes neues TC.  Aber es macht für BMW Sinn, die Teile sind scheinbar immer fällig (welch ein - ungewolltes - Wortspiel).

 

Auch ist eine Einhandbedienung nicht möglich, was ja durchaus von Vorteil wäre, wir kennen das ja. Und es war auch mit allen BMW-TCs möglich (jedenfalls so weit ich sie kenne). Mit dem hier verbauten Deckellift (Gasdruckheber) geht sowas nicht mehr. Öffnen ja, schließen nein.

Mit einer Hand aufschließen, Verriegelung öffnen, Deckel öffnet sich automatisch. Dabei hätte man ja eine Hand frei um den Deckel zu heben. Mit einer Hand den Deckel schließen? Nahezu unmöglich. Die Heber machen das, was sie tun sollen, sie heben den Deckel - und zwar sofort, sobald man ihn nicht mehr runter drückt. Und mit einer Hand den Deckel unten halten und gleichzeitig die Verriegelung schließen - dafür braucht man dann wirklich die großen Hände.

 

Wird man jetzt automatisch mit 160 PS zum Raser? Die Frage kann man mit Sicherheit nicht pauschal beantworten. Man kann damit rasen. Man hat damit auch ein gehöriges Sicherheitspotential, man kann damit auch Gefahren heraufbeschwören, die vielleicht mit anderen Motorrädern nicht da wären. Man kann auch wunderbar mit 160 PS cruisen… Jeder wird individuell seine Berechtigung für ein paar Pferdchen mehr finden.

 

Apropos Geräusche…

Ich pers. finde die Geräuschentwicklung grenzwertig. Zumindest in der Form, wie ich es unterm Helm mitbekomme. Natürlich hat ein kräftiger Sound schon seinen Reiz wenn man auf der BAB beschleunigt. In der Stadt ist er mehr als überflüssig. Ich versuche noch immer mit so wenig Umdrehungen wie möglich (also so leise wie möglich) zu fahren, mit dem Ergebnis, dass ich die Fuhre manchmal noch abwürge. Der dann kommende Neustart ist dann aber nicht weniger leise.

Wenn ich die Geräuschkulisse unter dem Helm und die gefühlte Geschwindigkeit mit der Tachoanzeige vergleiche, bin ich oft langsamer als erwartet. Auch dies ist ein Ergebnis des gefühlten Krawalls, welchen ich vermeiden möchte. Vielleicht besser so als anders…

 

Es ist etwas Zeit vergangen und ein paar Tausend Kilometer mehr sind auf dem Tacho.

Hat sich was geändert? Aber sicher!

2015

 

Über Winter wurde die Sitzbank neu gepolstert und optisch etwas aufgehübscht. Jetzt zwickt nichts mehr und es schläft auch nix mehr ein. Bei unserer Frühjahrstour in die franz. Alpen konnte ich jedenfalls nichts Negatives bemerken.

Auch eine andere Scheibe hat den Weg ans Töff gefunden. Sie ist an den oberen Außenkanten etwas breiter und schützt die Schultern besser. Und für die ganz heißen Tage hat sie noch ein Lüftungs“fenster“ (CB).

Bei einer Regenfahrt bin ich nun von vorn gut geschützt, lediglich die Beine werden von hinten (!) gründlich nass. Es gibt da offensichtlich einen Sogeffekt. Ob dies an den nicht montierten Koffern gelegen hat… Die verwunderlichen Flaps helfen da jedenfalls nicht.

Ja und dann war da noch der Wunsch auch mal bewegte Bilder mit nachhause zu bringen. Schließlich ist Motorradfahren ja keine statische Angelegenheit.

Die Wahl der Kamera hat nicht so lange gedauert, ich habe mit für ein Modell der Fa. AEE (S70) entschieden, da mir der ganze GoPro-Hype nicht gefallen hat. Für die paar Filme, die ich „drehe“, braucht es dieses Preissegment nicht zu sein. Das AEE-Set hat (fast) alles mit drin (Ladegerät, wasserfeste Box usw). Bis dato einzig erkennbarer Nachteil: es gibt keinen RAM-Mount-Adapter.

Aber wo soll man an der K16 so einen RAM-Mount auch sinnvoll befestigen. Es gibt so gut wie keine Verschraubung/Verstrebung um eine Schelle oder eine Sockelplatte wirklich „fest“ zu machen. Und die Sache mit dem Saugnapf auf Helm, Koffer oder Topcase ist mir zu unsicher. Außerdem wollte ich reine Fahraufnahmen mit möglichst wenig Motorrad oder Fahrer im Bild.

Also musste ein wenig „gebastelt“ werden. Angefangen hatte ich mit dem Versuch einer Spiegelhalterung. Die nötigen Metallfalzarbeiten waren für mich nur in einem Alu-Probe-Modell zu bewerkstelligen und die sichere Befestigung – ohne den Spiegelausleger zu beschädigen – imo nicht möglich. Also schnell vergessen.

Dann doch lieber den RAM-Mount? RAM-Mount am Spiegel? Ja, das ging sogar bis zur Autobahn. Beim ersten beherzten Gasgeben aber verzog sich der Spiegelhalter und es wackelte das Ding gewaltig auf der Aufnahme. Also auch vergessen.

Man schleicht um die Karosserie, fühlt hier, schaut da… Und dann fielen die besagten Schuppen aus den Fischen: wir haben doch Schraublöcher an der Front, in der Scheibenhalterung. Nehmen wir doch diese. Es waren lediglich 2 längere Schrauben und etwas Metallband nötig, um die Kamerahalterung mittig zu positionieren. Und es hält! Eine Kamerasicherung wird bei Bedarf am Spiegel befestigt, also auch kein Problem.

Dank des großen Blickwinkels der Kamera stören auch evtl. Änderungen der Scheibenneigung nicht wirklich.

Die Kamera lässt sich natürlich mit oder ohne Gehäuse montieren. Ich habe mich immer für die Montage im Gehäuse entschieden, auch bei strahlend blauem Himmel. Es gibt immer mal ein aufgewirbeltes Steinchen und jede Menge Flugzeug – Fliegen, Mücken, Falter und was weiß der Himmel. Dies aus Schaltern und von der Linse zu pulen kann nicht vorteilhaft sein.

Das wasserdichte Gehäuse ist wirklich luft- und wasserdicht.

Die Cam entwickelt in der Box eine nicht ganz unerhebliche Temperatur und Sonnenschein tut das Übrige, das bisschen Luft, was drin ist kondensiert Feuchtigkeit aus. Es reicht um den Rand der Glas(?)scheibe leicht zu beschlagen. In manchen Szenen sieht das ganz nett aus, aber ich bin ja nicht der David Hamilton der Landstraße.

Nachdem das Problem erkannt war habe ich einfach den seitlichen Verschluss des Kabelanschlusses geöffnet. Somit war Frischluft im Gehäuse möglich. und beim nächsten Mal wird dort auch eine externe Stromversorgung angeschlossen. Ein für mich positiver Effekt ist, dass durch die Wasserbox die Lautstärke der K 16 im Film auf ein angenehmes Maß gestutzt wird, was die spätere Betrachtung wesentlich angenehmer macht.

Nun müssen nur noch 15 Stunden Filmmaterial auf ein überschaubares Maß gestutzt werden. :-(

 

Eine etwas andere Art an Serviceintervalle zu erinnern ist die Anzeige eines imaginären Datums. Ich pers. hätte etwas wie „Inspkt. in 1000km“ oder so erwartet. Schließlich ist „Benutzung/Verschleiß“ Grundlage einer Inspektion, nicht der Geburtstag. Positiv ist, dass die optische Erinnerung in Form eines kleinen grauen Icons auf dem Display nicht penetrant und störend ist. Dass der nächste Servicetermin vor der Tür steht teilt mir meine „K“ auch noch ganz alleine ohne Bordcomputer mit:
die lästigen Begleiter „Klong“ & „Klack“ sind wieder (oder doch noch) da und merklich lauter geworden. Es wird wieder Zeit für ein Feintuning….

Die Inspektion hat dann auf Geräuschebene nix gebracht und so gesellt sich zum Allgemeinkrawall nun wieder die Rhythmusgruppe aus Schalt- und Lastwechselgeräuschen. Das der Inovations-Leader selbst für sein Premiummodel keine vernünftigen Getriebe hinbekommt ist echt ein Armutsbild.

Es verwundert mich auch nicht, dass die Fachpostille „Tourenfahrer“ eine K 1600-Heckansicht  als Bespielbild für ihren Technikartikel zum Thema „Abgasführung“ und dem damit einhergehenden Lärm zeigt. Es ist einfach nicht zu vermitteln, warum schon der Start der Maschine ohne jegliche Last einen derartigen Prollsound absondert. Ein Fahren oberhalb des Standgasniveaus ist in einer Ortschaft eigentlich kaum möglich (solange einem nicht seine Umgebung sch…egal ist) und das trägt nicht zum Fahrspaß bei. Wo bleibt der Aufkleber: "Sorry, ich kann nicht leiser..."

Soviel dazu…